»Aber Gräfin …«
»Ich verheiratete mich, wie Sie wissen, in Florenz und fuhr an demselben Abende noch bis Venedig. Venedig ist in einem Punkte ganz wie Dresden: nämlich erste Station bei Vermählungen. Auch Ghiberti – ich sage immer noch lieber ›Ghiberti‹ als ›mein Mann‹; ›mein Mann‹ ist überhaupt ein furchtbares Wort – auch Ghiberti also hatte sich für Venedig entschieden. Und so hatten wir denn den großen Apennintunnel zu passieren.«
»Weiß, weiß. Endlos.«
»Ja, endlos. Ach, liebe Baronin, wäre doch da wer mit uns gewesen, ein Sachse, ja selbst ein Rumäne. Wir waren aber allein. Und als ich aus dem Tunnel heraus war, wußt ich, welchem Elend ich entgegenlebte.«
»Liebste Melusine, wie beklag ich Sie; wirklich, teuerste Freundin, und ganz aufrichtig. Aber so gleich ein Tunnel. Es ist doch auch wie ein Schicksal.«
Rex und Czako hatten sich unmittelbar nach Überreichung ihrer Buketts vom Bahnhof her in die Königgrätzerstraße zurückgezogen, und hier angekommen, sagte Czako: »Wenn es Ihnen recht ist, Rex, so gehen wir bis in das Restaurant Bellevue.«
»Tasse Kaffee?«
»Nein; ich möchte gern was Ordentliches essen. Drei Löffel Suppe, ne Forelle en miniature und ein Poulardenflügel, – das ist zu wenig für meine Verhältnisse. Rund heraus, ich habe Hunger.«