»Ich weiß, ich weiß.«

»Un Agnes, de soll denn unnen in den Küch goahn, to Mamsell Pritzbur, un de Pritzburn de sall denn den Tee moaken für'n jnädgen Herrn. Morgens ut de witte Tüt, un abens ut de blue Tüt. Un ümmer man nen gestrichnen Eßlöffel vull un nich to veel Woater; awers bullern möt et. Un wenn de Tüten all sinn, denn is et rut. Dat Woater nimmt dat Woater weg.«

»Na gut, Buschen. Wir wollen das alles so machen. Und ich bin nicht bloß ein geduldiger Kranker, ich bin auch ein gehorsamer Kranker. Nun will ich aber bloß noch wissen, was Ihr mir da in Euern Tüten schicken wollt, in der weißen und in der blauen. Is doch kein Geheimnis?«

»Nei, jnädger Herr.«

»Na also.«

»In de witte Tüt is Bärlapp un in de blue Tür is, wat de Lüd hier Katzenpoot nennen.«

»Versteh, versteh,« lächelte Dubslav, und dann sprach er wie zu sich selbst: »Nu ja, nu ja, das kann schon helfen. Dazwischen liegt eigentlich die ganze Weltgeschichte. Mit Bärlapp zum Einstreuen fängt die süße Gewohnheit des Daseins an und mit Katzenpfötchen hört es auf. So verläuft es. Katzenpfötchen … die gelben Blumen, draus sie die letzten Kränze machen … Na, wir wollen sehn.«


An demselben Abend kam Agnes und brachte die beiden Tüten, und es geschah, was beinah über alles Erwarten hinaus lag: es wurde wirklich besser. Die Geschwulst schwand, und Dubslav atmete leichter. »Dat Woater nimmt dat Woater,« an diesem Hexenspruch – den er, wenn er mit Engelke plauderte, gern zitierte – richteten sich seine Hoffnungen und seine Lebensgeister wieder auf. Er war auch wieder für Bewegung und ließ, wenn es das Wetter irgendwie gestattete, seinen Rollstuhl nicht bloß auf die Veranda hinausschieben, sondern fuhr auch um das Rundell herum und sah dem kleinen Springbrunnen zu, der wieder sprang. Ja, es kam ihm vor, als ob er höher spränge. »Findest du nich auch, Engelke? Vor vier Wochen wollt er nich. Aber es geht jetzt wieder. Alles geht wieder, und es ist eigentlich dumm, ohne Hoffnung zu leben; wozu hat man sie denn?«

Engelke nickte bloß und legte die Zeitungen, die gekommen waren, auf einen neben dem Frühstückstisch stehenden Gartenstuhl, zuunterst die »Kreuzzeitung« als Fundament, auf diese dann die »Post« und zuletzt die Briefe. Die meisten waren offen, Anzeigen und Anpreisungen, nur einer war geschlossen, ja sogar gesiegelt. Poststempel: Berlin. »Gib mir mal das Papiermesser, daß ich ihn manierlich aufschneiden kann. Er sieht nach was aus, und die Handschrift is wie von ner Dame, bloß ein bißchen zu dicke Grundstriche.«