»Nein, so war es nicht. Er war ein sehr anständiger Mann. Beinahe zu sehr.«
»Aber, Kind, wie kannst du nur so was sagen? Wie kann einer zu anständig sein?«
»Ja, Frau Imme. Wenn einen einer gar nicht ansieht, das ist einem auch nicht recht.«
»Ach, Hedwig, was du da bloß so redst! Und wenn ich nich wüßte, daß du gar nich so bist … Aber was war es denn?«
»Ja, Frau Imme, was soll ich sagen, was es war; es is ja immer wieder dasselbe. Die Herrschaften können einen nicht richtig unterbringen. Oder wollen auch nich. Immer wieder die Schlafstelle oder, wie manche hier sagen, die Schlafgelegenheit.«
»Aber, Kind, wie denn? Du mußt doch ne Gelegenheit zum Schlafen haben.«
»Gewiß, Frau Imme. Und ne Gelegenheit, so denkt mancher, is ne Gelegenheit. Aber gerade die, die hat man nich. Man ist müde zum Umfallen und kann doch nicht schlafen.«
»Versteh ich nich.«
»Ja, Frau Imme, das macht, weil Sie von Kindesbeinen an immer bei so gute Herrschaften waren, und mit Lizzi is es jetzt wieder ebenso. Die hat es auch gut un is, wie wenn sie mit dazu gehörte. Meine Tante Hartwig erzählt mir immer davon. Und einmal hab ich es auch so gut getroffen. Aber bloß das eine Mal. Sonst fehlt eben immer die Schlafgelegenheit.«
Frau Imme lachte.