»Meinst du?«
»Ja, das meine ich. Übrigens glaube ich, daß sich vieles gebessert hat. Ihr Charakter ist, wie er ist, aber die Verhältnisse liegen seit ihrer Übersiedlung um vieles günstiger, und sie leben sich mehr und mehr ineinander ein. Sie hat mir so was gesagt, und was mir wichtiger ist, ich hab es auch bestätigt gefunden, mit Augen gesehen.«
»Nun, was sagte sie?«
»Sie sagte: 'Mama, es geht jetzt besser. Innstetten war immer ein vortrefflicher Mann, so einer, wie's nicht viele gibt, aber ich konnte nicht recht an ihn heran, er hatte so was Fremdes. Und fremd war er auch in seiner Zärtlichkeit. Ja, dann am meisten; es hat Zeiten gegeben, wo ich mich davor fürchtete.«
»Kenn ich, kenn' ich.«
»Was soll das heißen, Briest? Soll ich mich gefürchtet haben, oder willst du dich gefürchtet haben? Ich finde beides gleich lächerlich …«
»Du wolltest von Effi erzählen.«
»Nun also, sie gestand mir, daß dies Gefühl des Fremden sie verlassen habe, was sie sehr glücklich mache. Kessin sei nicht der rechte Platz für sie gewesen, das spukige Haus und die Menschen da, die einen zu fromm, die andern zu platt; aber seit ihrer Übersiedlung nach Berlin fühle sie sich ganz an ihrem Platz. Er sei der beste Mensch, etwas zu alt für sie und zu gut für sie, aber sie sei nun über den Berg. Sie brauchte diesen Ausdruck, der mir allerdings auffiel.«
»Wieso? Er ist nicht ganz auf der Höhe, ich meine der Ausdruck.
Aber …«
»Es steckt etwas dahinter. Und sie hat mir das auch andeuten wollen.«