Johanna war inzwischen nach dem Landratsamt hinübergegangen, um da den
Brief einzustecken. Sie hatte sich drüben nicht sonderlich beeilt,
vielmehr vorgezogen, mit der Frau Paaschen, des Amtsdieners Frau, ein
Gespräch zu führen. Natürlich über die junge Frau.
»Wie ist sie denn?« fragte die Paaschen.
»Sehr jung ist sie.«
»Nun, das ist kein Unglück, eher umgekehrt. Die Jungen, und das ist eben das Gute, stehen immer bloß vorm Spiegel und zupfen und stecken sich was vor und sehen nicht viel und hören nicht viel und sind noch nicht so, daß sie draußen immer die Lichtstümpfe zählen und einem nicht gönnen, daß man einen Kuß kriegt, bloß weil sie selber keinen mehr kriegen.«
»Ja«, sagte Johanna, »so war meine vorige Madam, und ganz ohne Not.
Aber davon hat unsere Gnäd'ge nichts.«
»Ist er denn sehr zärtlich?«
»Oh, sehr. Das können Sie doch wohl denken.« »Aber daß er sie so allein läßt …«
»Ja, liebe Paaschen, Sie dürfen nicht vergessen … der Fürst. Und dann, er ist ja doch am Ende Landrat. Und vielleicht will er auch noch höher.«
»Gewiß will er. Und er wird auch noch. Er hat so was. Paaschen sagt es auch immer, und er kennt seine Leute.«
Während dieses Ganges drüben nach dem Amt hinüber war wohl eine
Viertelstunde vergangen, und als Johanna wieder zurück war, saß
Effi schon vor dem Trumeau und wartete. »Sie sind lange geblieben,
Johanna.«