Marcell drohte halb ernst-, halb scherzhaft mit dem Finger zu Korinna hinüber und sagte: »Kusine, vergiß nicht, daß der Repräsentant einer andern Nation dir zur Seite sitzt, und daß du die Pflicht hast, einigermaßen für deutsche Weiblichkeit einzutreten.«
»O, no, no,« sagte Nelson: »Nichts Weiblichkeit; always quick and clever ..., das is was wir lieben an deutsche Frauen. Nichts Weiblichkeit. Fräulein Korinna is quite in the right way.«
»Da hast du’s, Marcell. Mr. Nelson, für den du so sorglich eintrittst, damit er nicht falsche Bilder mit in sein meerumgürtetes Albion hinübernimmt, Mr. Nelson läßt dich im Stich, und Frau Treibel, denk’ ich, läßt dich auch im Stich und Herr Enghaus auch und mein Freund Leopold auch. Und so bin ich gutes Muts, und bleibt nur noch Fräulein Honig ...«
Diese verneigte sich und sagte: »Ich bin gewohnt, mit der Majorität zu gehen«, und ihre Verbittertheit lag in diesem Tone der Zustimmung.
»Ich will mir meines Vetters Mahnung aber doch gesagt sein lassen«, fuhr Korinna fort. »Ich bin etwas übermütig, Mr. Nelson, und außerdem aus einer plaudernden Familie ...«
»Just what I like, Miß Korinna. ›Plauderhafte Leute, gute Leute‹, so sagen wir in England.«
»Und das sag’ ich auch, Mr. Nelson. Können Sie sich einen immer plaudernden Verbrecher denken?«
»Oh, no; certainly not ...«
»Und zum Zeichen, daß ich, trotz ewigen Schwatzens, doch eine weibliche Natur und eine richtige Deutsche bin, soll Mr. Nelson von mir hören, daß ich auch noch nebenher kochen, nähen und plätten kann, und daß ich im Letteverein die Kunststopferei gelernt habe. Ja, Mr. Nelson, so steht es mit mir. Ich bin ganz deutsch und ganz weiblich, und bleibt eigentlich nur noch die Frage: kennen Sie den Letteverein und kennen Sie die Kunststopferei?«
»No, Fräulein Korinna, neither the one nor the other.«