»Na, denn muß es wahr sein, Korinna. Denn was ein Professor sagt, is immer wahr. Aber nu keine Flausen mehr und keine Witzchen, davon haben wir nu genug gehabt mit dem armen Leopold, der mir doch eigentlich leid tun kann, denn er hat sich ja nich selber gemacht, und der Mensch is am Ende wie er is. Nein, Korinna, nu wollen wir ernsthaft werden. Und wenn meinst du denn, daß es los geht oder in die Zeitung kommt? Morgen?«

»Nein, liebe Schmolke, so schnell geht es nicht. Ich muß ihn doch erst seh’n, und ihm einen Kuß geben ...«

»Versteht sich, versteht sich. Eher geht es nich ...«

»Und dann muß ich doch auch dem armen Leopold erst abschreiben. Er hat mir ja erst heute wieder versichert, daß er für mich leben und sterben will ...«

»Ach Jott, der arme Mensch.«

»Am Ende ist er auch ganz froh ...«

»Möglich is es.«

Noch am selben Abend, wie sein Brief es angezeigt, kam Marcell und begrüßte zunächst den in seine Zeitungslektüre vertieften Onkel, der ihm denn auch — vielleicht weil er die Verlobungsfrage für erledigt hielt — etwas zerstreut und das Zeitungsblatt in der Hand mit den Worten entgegentrat: »Und nun sage, Marcell, was sagst du dazu? Summus Episcopus ... Der Kaiser, unser alter Wilhelm, entkleidet sich davon, und will es nicht mehr, und Kögel wird es. Oder vielleicht Stöcker ...«

»Ach, lieber Onkel, erstlich glaub’ ich es nicht. Und dann, ich werde ja doch schwerlich im Dom getraut werden ...«

»Hast recht. Ich habe den Fehler aller Nichtpolitiker, über einer Sensationsnachricht, die natürlich hinterher immer falsch ist, alles wichtigere zu vergessen. Korinna sitzt drüben in ihrem Zimmer und wartet auf dich, und ich denke mir, es wird wohl das beste sein, ihr macht es untereinander ab; ich bin auch mit der Zeitung noch nicht ganz fertig, und ein Dritter geniert bloß, auch wenn es der Vater ist.«