Wir sind wenigstens auf dem Wege dazu; was ich aber in Frankreich vom Protestantismus gesehen habe, machte einen unendlich tristen Eindruck auf mich. In Lyon gab mir der gardien-chef (Protestant) ein Gebetbuch in die Hand, ich glaube in Genf und Toulouse edirt, das Gebete auf ein paar hundert Tage und Situationen enthielt, jedes eine halbe bis anderthalb Seiten lang, also an und für sich nicht zu lang und in dieser Beziehung hinnehmbar. Ich las zehn oder zwölf und ich darf sagen, ich habe nie dürreres Reisig in Händen gehabt.

Keine Spur wahren Lebens, alles fromme Phrase. Die fromme Phrase aber ist die schlimmste.


3. Der letzte Abend.

Wünsche, Frohsinn, Freunde, Gäste,
Lichter wie zum Weihnachtsfeste.

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Er hatte Tressen an dem Hut
Und einen Klunker dran.

M. Claudius.

So kam der letzte Abend heran. Er hatte eine besonders festliche Erscheinung. Bei Vertheilung meiner Wirthschaftsgegenstände hatte sich nämlich ein ungeahnter Reichthum an Stearinlichten ergeben und da Rasumofsky, dem natürlich Alles zufiel, hochherzig erklärte, zu Gunsten einer Illumination auf diesen Erbschaftstheil verzichten zu wollen, so hatte sich, unter Heranschleppung aller möglichen Blaker und Leuchter, die überhaupt aufzutreiben waren, eine feenhafte Beleuchtung bei mir vorbereitet. Selbst in der anstoßenden Kammer, in zwei Sandhaufen gestellt, brannten zwei Lichter. Es sah aus wie Weihnachten. Der Christbaum fehlte, aber sein festlicher Glanz war ausgegossen.

Licht giebt Heiterkeit. Ich ordnete meine paar Habseligkeiten, die mich in die Heimath zurückbegleiten sollten, setzte mich an den Schreibtisch, um ein paar Abschiedsbriefe zu couvertiren, und sprang dann wieder auf, um in meiner Lichter-Allee spazieren zu gehen. Ich bin ein schlechter Sänger und Pfeifer; aber ich glaube, ich versuchte mich als beides.