»… Also das erste war: er gefiel mir. Es war in der Veranda, gleich nach dem zweiten Frühstück, wir hatten eben die blauen Milchsatten zurückgeschoben, und es ist mir, als wär' es gestern gewesen. Da kam der alte Teichgräber und brachte seine Karte. Und dann kam er selbst. Nun, er hat etwas Distinguiertes und man sieht auf den ersten Blick, daß er die kleine Not des Lebens nicht kennen gelernt hat. Und das ist immer hübsch und das Hübsche davon soll ihm unbenommen sein. Er hat aber auch etwas Reserviertes. Und wenn ich sage was Reserviertes, so hab' ich noch sehr wenig gesagt. Denn Reserviertsein ist gut und schicklich. Er übertreibt es aber. Anfangs glaubt' ich, es sei die kleine gesellschaftliche Scheu, die jeden ziert, auch den Mann von Welt, und er werd' es ablegen. Aber bald konnt' ich sehen, daß es nicht Scheu war. Nein, ganz im Gegenteil. Es ist Selbstbewußtsein. Er hat etwas amerikanisch Sicheres. Und so sicher er ist, so kalt ist er auch.«
»Ja, Riekchen, er war zu lange drüben, und drüben ist nicht der Platz, um Bescheidenheit und warme Gefühle zu lernen.«
»Sie sind auch nicht zu lernen. Aber man kann sie leider verlernen.«
»Verlernen?« lachte Van der Straaten. »Ich bitte Sie, Riekchen, er ist ja ein Frankfurter!«
Während dieses Gespräch in dem Glassalon geführt wurde, steuerten die beiden Boote der Mitte des Stromes zu. Auf dem größeren war Scherz und Lachen, aber auf dem kleineren, das folgte, schwieg alles und Melanie beugte sich über den Rand und ließ das Wasser durch ihre Finger plätschern.
»Ist es immer nur das Wasser, dem Sie die Hand reichen Freundin?«
»Es kühlt. Und ich hab' es so heiß.«
»So legen Sie den Burnus ab« … Und er erhob sich, um ihr behilflich zu sein.