»Ich nicht,« entgegnete Van der Straaten trocken.

»Oder Wieland den Schmied.«

»Schon eher. Und über kurz oder lang denk' ich, wird diese Sache spruchreif sein. Denn ich wette zehn gegen eins, daß ihn der »Meister« in irgend etwas Zukünftigem bereits unterm Hammer hat. Oder sagen wir auf dem Ambos. Es klingt etwas vornehmer.«

»Ich muß dich bitten, Ezel … du weißt …«

Aber ehe sie schließen konnte, wurde geklopft, und einer der jungen Kontoristen erschien in der Tür, um seinem Chef, unter gleichzeitiger Verbeugung gegen Melanie, einen Frachtbrief einzuhändigen, auf dem in großen Buchstaben und in italienischer Sprache vermerkt war: »zu eigenen Händen des Empfängers.«

Van der Straaten las und war sofort wie elektrisiert. »Ah, von Salviati! … Das ist hübsch, das ist schön … Gleich die Kiste heraufschaffen! … Und du bleibst, Melanie … Hat er doch Wort gehalten … Freut mich, freut mich wirklich. Und dich wird es auch freuen. Etwas Venezianisches, Lanni … Du warst so gern in Venedig.«

Und während er in derartig kurzen Sätzen immer weiter perorierte, hatte er aus einem Kasten seines Arbeitstisches ein Stemmeisen herausgenommen und hantierte damit, als die Kiste hereingebracht worden war, so vertraut und so geschickt, als ob es ein Korkzieher oder irgendein anderes Werkzeug alltäglicher Benutzung gewesen wäre. Mit Leichtigkeit hob er den Deckel ab und setzte das daran angeschraubte Bild auf ein großes staffeleiartiges Gestell, das er schon vorher aus einer der Zimmerecken ans Fenster geschoben hatte. Der junge Kommis hatte sich inzwischen wieder entfernt, Van der Straaten aber, während er Melanie mit einer gewissen Feierlichkeit vor das Bild führte, sagte: »Nun, Lanni, wie findest du's? … Ich will dir übrigens zu Hilfe kommen … Ein Tintoretto.«

»Kopie?«

»Freilich,« stotterte Van der Straaten etwas verlegen. »Originale werden nicht hergegeben. Und würden auch meine Mittel übersteigen. Dennoch dächt' ich …«