Roman. Dritte Auflage. Geh. 2 Mark, geb. 3 Mark.

Graf Keyserling, der jetzt in München lebende Kurländer, ist einer unserer kultiviertesten Prosaschriftsteller. Subtiler, feiner, innerlicher als er zeichnet heute kaum einer Gestalten, fängt kaum einer die landschaftliche Atmosphäre auf, die um den Menschen webt und sein Wesen bilden hilft. Seiner wundervollen Schloßgeschichte »Beate und Mareile«, seinem köstlichen Novellenband »Schwüle Tage« läßt er jetzt einen neuen Roman folgen: Dumala. So heißen Schloß und Ort, wo die Geschichte spielt, irgendwo in Kurland oder in Ostpreußen. Eine simple Geschichte von verbotener, sündiger Liebe, kaum eigenartig durch das Was des Erzählten, aber ganz einzig durch das persönliche Fluidum, das über dem Ganzen liegt und die intensive Stimmungskraft, die alle Einzelheiten tränkt und zu einem geschlossenen künstlerischen Organismus zusammenfaßt. Prachtvoll sind die Gestalten geschaut und in leibhafte Anschaulichkeit umgesetzt: der alte Baron, der rückenmarksleidend zu Dumala im Lehnstuhl sitzt und sich von seiner jungen Frau die erstarrten Glieder streichen läßt, der kraftvolle Pfarrer, der über seine hausbackene Ehe hinaus nach der frönen Baronin begehrt; der rücksichts- und skrupellose Nachbar, der die Einsame, nach Liebe Begehrende als willkommene Beute einfängt, ohne sie halten zu können, und dann diese Frau selbst, die den ganzen Kreis beherrscht und alle Männer unwiderstehlich in ihren Bannkreis zieht. Das »Zwischen den Menschen«, die unendlich feinen seelischen Fäden, die von einem zum anderen hinüberweben, sind hier mit erlesener Kunst fühlbar gemacht; und die Luft, in der sie atmen, wird uns vertraut. Das gibt dem Buch neben dem weltmännischen Ton und der Grazie des Stils seine Eigenart und seinen Wert.

(Königsberger Allgemeine Zeitung)


Druck der Spamerschen Buchdruckerei in Leipzig


Weitere Anmerkungen zur Transkription

Offensichtliche Satzfehler wurden stillschweigend korrigiert. Die Darstellung der Ellipsen wurde vereinheitlicht. Die unterschiedlichen Schreibweisen Rubehn und Ruben wurden wie im Original beibehalten.