»Und wir, lieber Bülow,« unterbrach Frau von Carayon, »wir werden ihn uns ansehen, trotzdem es uns Anstoß giebt. Victoire hat Recht, und wenn bei Iffland die Eitelkeit stärker sein darf als das Prinzip, so bei uns die Neugier. Ich hoffe, Herr von Schach und Sie, lieber Alvensleben, werden uns begleiten. Uebrigens sind ein paar der eingelegten Lieder nicht übel. Wir erhielten sie gestern. Victoire, Du könntest uns das ein' oder andere davon singen.«
»Ich habe sie kaum durchgespielt.«
»O, dann bitt' ich um so mehr,« bemerkte Schach. »Alle Salonvirtuosität ist mir verhaßt. Aber was ich in der Kunst liebe, das ist ein solches poetisches Suchen und Tappen.«
Bülow lächelte vor sich hin und schien sagen zu wollen: »Ein jeder nach seinen Mitteln.«
Schach aber führte Victoiren an das Klavier, und diese sang, während er begleitete.
Die Blüthe, sie schläft so leis und lind
Wohl in der Wiege von Schnee;
Einlullt sie der Winter »Schlaf ein geschwind
Du blühendes Kind«
Und das Kind es weint und verschläft sein Weh