Hans Rudolf von Bischofswerder studierte von 1756 an zu Halle, nahm dann Kriegsdienste und trat 1760 in das preußische Regiment Karabiniers, dessen Kommandeur ihn zu seinem Adjutanten machte. In dieser Eigenschaft wohnte er den letzten Kämpfen des siebenjährigen Krieges bei. Noch während der Kampagne stürzte er mit dem Pferde, erlitt einen Rippenbruch, und zunächst wenigstens sich außerstande sehend, die militärische Laufbahn fortzusetzen, begab er sich auf sein Landgut in der sächsischen Lausitz, wo er sich 1764 mit einer Tochter des kursächsischen Kammerherrn von Wilke vermählte. Er lebte hier mehrere Jahre in glücklicher Zurückgezogenheit und „übte, wie es in einer der zeitgenössischen Schriften heißt, all die gesellschaftlichen und häuslichen Tugenden die ihm die Hochachtung derer, die ihn kannten, erwarben.“
Sein guter Ruf verschaffte ihm die Ehre, als Kavalier an den sächsischen Hof gerufen zu werden. Von hier aus machte er mit dem Prinzen Xaver eine Reise nach Frankreich. Bald nach seiner Rückkehr wurde er Kammerherr des Kurfürsten, hiernächst Stallmeister des Prinzen Karl, Herzogs von Kurland.
Herzog Karl von Kurland, Sohn Friedrich August II., lebte damals zumeist in Dresden und gehörte in erster Reihe zu jener nicht kleinen Zahl von Fürstlichkeiten, die für das epidemisch auftretende Ordenswesen, für Goldmachekunst und Geister-Erscheinungen ein lebhaftes Interesse zeigten.
So konnte es denn kaum ausbleiben, daß auch Bischofswerder, wie alle übrigen Personen des Hofes, zu jenen Alchymisten und Wunderleuten in nähere Beziehung trat, die damals beim Herzoge aus- und eingingen. Unter diesen war Johann Georg Schrepfer der bemerkenswerteste. Er besaß einen „Apparat“, der so ziemlich das Beste leistete, was nach dieser Seite hin in damaliger Zeit geleistet werden konnte. Dazu war er kühn und von einem gewissen ehrlichen Glauben an sich selbst. Es scheint, daß er, inmitten aller seiner Betrügereien, doch ganz aufrichtig die Meinung unterhielt: jeder Tag bringt Wunder; warum sollte am Ende nicht auch mir zu Liebe ein Wunder geschehen? Als trotz dieses Glaubens die eingesiegelten Papierschnitzel nicht zu Golde werden wollten, erschoß er sich im Leipziger Rosental (1774). Bischofswerder war unter den Freunden, die ihn auf diesem Gange begleiteten und denen er eine „wunderbare Erscheinung“ zugesagt hatte.
Die ganze Schrepfer-Episode hatte als Schwindel-Komödie geendet. Aber so sehr sie für Unbefangene diesen Stempel trug, so wenig waren die Adepten geneigt, ihren Meister und seine Kunst aufzugeben. Man trat die Schrepfersche Erbschaft an und zitierte weiter. Friedrich Förster erzählt: „Bischofswerder, in einem Vorgefühl, daß hier ein Schatz, eine Brücke zu Glück und Macht gefunden sei, wußte den Schrepferschen Apparat zu erwerben.“ Doch ist dies nicht allzu wahrscheinlich. Wenn Bischofswerder später sehr ähnlich operierte, so konnte er es, weil ein längerer intimer Verkehr mit dem „Meister“ ihn in alle Geheimnisse eingeführt hatte.
Der prosaische Ausgang Schrepfers — prosaisch, trotzdem er mit einem Pistolenschuß endete — hatte unseren Bischofswerder nicht umgestimmt, aber verstimmt; er gab Dresden auf, oder mußte es aufgeben, da der ganze Hergang doch viel von sich reden machte und nicht gerade zugunsten der Beteiligten. Er ging nach Schlesien und lebte einige Zeit (1774 bis 1775) in der Nähe von Grünberg, auf den Gütern des Generals von Frankenberg. Bischofswerders äußere Lage war damals eine sehr bedrückte.
Dieser Aufenthalt vermittelte auch wohl den Wiedereintritt Bischofswerders in den preußischen Dienst, der nach einigen Angaben 1775 oder 1776, nach anderen erst bei Ausbruch des bayerischen Erbfolgekrieges 1778 erfolgte. Prinz Heinrich verlangte ihn zum Adjutanten; als sich diesem Verlangen indes Hindernisse in den Weg stellten, errichtete von Bischofswerder, inzwischen zum Major avanziert, ein sächsisches Jägerkorps, das der Armee des „Rheinsberger Prinzen“ zugeteilt wurde.
Beim Frieden hatte diese Jägertruppe das Schicksal, das ähnliche Korps immer zu haben pflegen: es wurde aufgelöst. König Friedrich II. indes, „der die Menschen kannte“, nahm den nunmehrigen Major von Bischofswerder in seine Suite auf, worauf sich dieser in Potsdam niederließ. Die schon zitierte Schrift schreibt über die sich unmittelbar anschließende Epoche (von 1780 bis 1786) das Folgende: