Minutenlang sah ich still in diesen Zauber hinein, dann richtete ich mich auf und rief mein „Hol über!“ über die Wasserfläche hin. Aber der Ruf schien in dieser Stille zu verklingen. Nichts regte sich drüben und schon war meine ganze Naturbewunderung in Gefahr, im Ärger über den Fährmann unterzugehen, als es drüben lebendig zu werden begann. Eine hagere, mittelgroße, nach Wendenart in graue Leinwand gekleidete Gestalt trat aus dem Fährhaus, machte eine Handbewegung, die unverkennbar ausdrücken sollte, „ich möchte mich nur ruhig verhalten“, und löste dann langsam und mürrisch, soweit sich das aus seiner Handlung erkennen ließ, einen Kahn vom Ufer und schob ihn, ohne Ruder, an einem zwischen beiden Ufern ausgespannten Taue von drüben zu mir herüber.
Als der Kahn auflief, blieb sein Insasse stehen und sah mich an. Ich ihn auch. Endlich gewann er es über sich und bot mir „guten Abend.“ Nach dieser Konzession von seiner Seite, denn so schien er es aufzufassen, glaubte auch ich ein übriges tun zu müssen. So entspann sich denn, während der Kahn langsam wieder zurückglitt, folgende Unterhaltung:
„Guten Abend, Fährmann. Geht’s Geschäft?“
„I, wie wirds denn gehn?“
„Na, ich sollte doch meinen. Da sind erst die Ützer ...“
„Die fahren umsonst.“
„Und dann all’ die Dörfer, die hier hinten liegen ...“
Er schüttelte griesgrämig den Kopf, beschrieb mit der Hand nach Norden hin eine Kurve und brummte: „Alles ’rum, immer ’rum!“
„Aber die Phöbener und Paretzer werden doch nicht über Falkenrehde fahren? Das ist ja die Meile sieben Viertel!“
„Das ist es. Aber was ein richtiger Bauer is, der geht nich über’s Wasser.“