Es sind zunächst zwei Aufzeichnungen, zwei Dokumente, die den Gegenbeweis übernehmen. Das erste derselben ist eine Zessionsurkunde, eine gerichtliche Konvention, worin der Einsiedelschen Familie der Besitz des Ländchens Bärwalde zugesichert wird. In dieser Konvention vom 7. Oktober 1745, die also nur sieben Tage vor dem Hinscheiden des Generals von diesem selber ausgestellt wurde, nennt er sich: Sr. Kaiserlichen Majestät wohlbestallter General-Leutnant, Oberst über ein Bataillon Grenadier-Garde, Erbherr zu Bärwalde etc., woraus ersichtlich, daß die Ungnade des Königs keine besonders strenge und bedrohliche gewesen sein kann. Dieser würde sonst unzweifelhaft, vor Ausbruch und Rückkehr der Truppen, einen andern Chef des Garde-Bataillons ernannt und den Namen von Einsiedels gestrichen haben.
Das zweite, wichtige Dokument ist das Kirchenbuch zu Meinsdorf, im Ländchen Bärwalde, in dem wir von der Hand des damaligen Pfarres Presso folgende Aufzeichnungen finden: „.... Gedachter Herr General-Leutnant von Einsiedel ist gestorben zu Potsdam den 14. Oktober 1745, früh acht Uhr, im 57. Jahre; den 16. ist er im Erbbegräbnis zu Wiepersdorf beigesetzt worden. Den 30. Januar 1746 ist ein feierliches Leichenbegängnis gehalten, der Parade-Sarg von der Reinsdorfer Grenze eingeholt und die Leichenrede vom Herrn Hofprediger Ösfeld aus Potsdam gehalten worden.“
Für die absolut Ungläubigen reichte freilich auch dieses Dokument nicht aus. Dieselben entnahmen aus dieser Pressoschen Kirchenbuch-Notiz weiter nichts, als die Beisetzung in Wiepersdorf (statt der Verscharrung im Keller), wohingegen der Beweis, daß dieser beigesetzte von Einsiedel kein zuvor Enthaupteter gewesen sei, immer noch erübrigte.
Auch diese letzte Burg der Romantik mußte zerstört werden.
Es gab nur einen Weg. Man stieg in die Gruft hinunter, der Sarg wurde geöffnet, in welchem der General von Einsiedel wohlerhalten lag. Eine Art Mumifizierung, wie in so vielen Grüften der Mark, war eingetreten. Der Körper erwies sich völlig unversehrt, derart, daß er sich am Kopfe in die Höhe heben ließ. Eine Trennung von Haupt und Leib hatte also nicht stattgefunden.
Auch dieser „heimlich Enthauptete“ der Volkssage war uns also genommen.
[41] Eben dieses Einsiedelsche Haus hatte, vielleicht aus derselben oder vielleicht auch erst aus späterer Zeit stammend, ein Holzbildwerk an seiner schrägen Eckfront, den Diogenes in der Tonne darstellend. In den dreißiger Jahren dieses Jahrhunderts verschwand es, wurde später unter altem Gerümpel entdeckt, wieder hergestellt und aufs neue an seinem alten Platz befestigt, wo es sich bis diese Stunde befindet.
Wust
Das Geburtsdorf des Hans Hermann von Katte
Und so schreiten