Geschichtliches. Die sehr alte Stadt gehörte im frühesten Mittelalter zur böhmischen Krone. 1249 fiel sie als ein Heirathsgut der böhm. Königstochter Agnes an Heinrich den Erlauchten, Markgrafen von Meissen. Aus dem ehemaligen Dominikanerkloster zu Pirna ging der berüchtigte Ablasskrämer Tetzel hervor, auch lebte hier der für die Sächs. Geschichte so wichtige Paul Lindner, bekannt als der »Pirnaische Mönch.« Im 30jährigen Krieg stürmte Banner die Stadt und überliess sie der Beutegier seiner wilden Soldateska. Friedrich II. befahl im 7jährigen Krieg die Schleifung der Stadtwälle. 1811 errichtete man im prächtig gelegenen, mit altdeutschen Erkern versehenen Schloss eine Heilanstalt für Geisteskranke, die hygienisch einen guten Ruf geniesst und gegenwärtig etwa 500 Insassen zählt. Napoleon I. liess 1813 die Unglücklichen herausjagen und befestigte den Sonnenstein.
Die goth. Hauptkirche, 1546 vollendet, schmücken Deckengemälde und Glasmalereien. Zwölf Pfeiler tragen die Decke mit ihren Gewölbrippen von beachtenswerther Mannigfaltigkeit. Schönes Masswerk in den Fenstern. Die neugothische kath. Kirche enthält ein gutes Altarbild. In den Promenaden steht das Ottodenkmal mit Medaillonportrait, dem Sänger Julius Otto gewidmet.
Spaziergänge. 1. Ueber die Elbbrücke. (Unter dem ersten Brückenpfeiler merkwürdiges Echo.) Man geht in der Regel durch das am rechten Ufer liegende Copitz und auf das Bergrestaurant »Zur schönen Aussicht,« das seinen Namen in vollem Maasse rechtfertigt (1 km). 2. Nach der schon genannten Schlossschenke dicht über der Stadt. 3. Nach dem Kohlberg, 202 m hoch, Entfernung 2 km, Gartenrest. mit herrlichen Blicken auf den Borsberg, den langen Höhenzug gegen Dresden und auf die dörferbedeckte Elbniederung. Um den Kohlberg kämpften 1813 Russen, Preussen und Oestreicher gegen Vandamme, und diese Kämpfe bildeten das Vorspiel zur Schlacht bei Kulm.
Nach Berggiesshübel führt Sekundärbahn an der Gottleuba entlang. Zu Fuss geht man nicht die Strasse, sondern am Schiesshaus vorüber die sogenannte Viehleithe, ein schattiger Promenadenweg bis Rottwerndorf (5 km). Gefälliges Schlösschen vom Kurfürst Vater August erbaut. Grosser Gasthof. Bahnhof. Das Dorf ist der Centralpunkt der sog. Cottaer Sandsteinbrüche, welche den härtesten und feinkörnigsten Sandstein im Elbsandsteingebiet liefern und der zu den meisten Skulpturen in Dresden verwendet wurde. Von Rottwerndorf geht man entweder mit der Bahn parallel im Thale fort am Langhennersdorfer Wasserfall vorüber nach Berggiesshübel (9 km) oder über den Cottaer Spitzberg (6½ km). Der erstere Weg bietet anmuthige Thalbilder und die imposante Felsgrotte des Wasserfalls, der nach Gewittern einen fesselnden, bei trockner Zeit jedoch einen mehr kläglichen Eindruck hervorbringt. Nach dem Cottaer Spitzberg folgen wir einen Wegweiser in der Nähe des Rottwerndorfer Bahnhofs, der nach Cotta hinaufweist. Wir lassen das Dorf rechts und gehen bei drei uralten Kreuzen vorüber direct auf den Basaltgipfel des Berges, 387 m. Die Aussicht ist für die geringe Mühe lohnend; sie umfasst viele Tafelberge der Sächs. Schweiz und die Basaltkuppen des Erzgebirges: Sattelberg, Geising, Luchberg, Wilisch. Unter dem Gipfel Basaltbruch. Von hier erreicht man auf Feldwegen leicht die sichtbare Pirna-Berggiesshübler Strasse.
Berggiesshübel. Zum Sächs. Haus. Zum gold. Stern. Freundliches Bergstädtchen im anmuthigen Thalzug der Gottleuba. 1600 Einw. 294 m. Das Johann-Georgenbad ist eines der ältesten Bäder Sachsens. Beliebte Sommerfrische. Schon Gellert und Rabener suchten hier Erholung. Um die touristische Aufschliessung der Gegend machte sich Gewerbschuldirector Clauss aus Dresden besonders verdient. Hinter dem Bad Anlagen. In der Umgebung viele sehr lohnende Spaziergänge. Hervorzuheben sind der Poetengang gegen Gottleuba hin mit Bänken und einer Inschrift von Th. Hell, welche sich auf den Aufenthalt Rabeners und Gellerts bezieht. Sodann sind zu nennen der sog. Napoleonstein, welchen der Eroberer während der Kämpfe in jener Gegend zu wiederholten Malen erstieg und Gersdorf mit künstlicher Ruine. Die Wege sind durch Wegweiser markirt, auch viele der Echos.
In der Nähe der Stadt baut man ein vorzügliches Eisenerz ab, das sich besonders zur Herstellung von Gussstahl eignet und weithin verfrachtet wird. Leider ist das grosse Eisenwerk am Berghang zum Erliegen gekommen.
Anmerkung. Dankbar ist auch die Tour am Bach (3 km) auf nach Gottleuba. 338 m. 1200 Einw. Schön im Thal gelegenes sauberes Städtchen. Grosse Waldungen in der Nähe. Sommerfrische. Goth. Kirche mit beachtenswertem Portal. Die sogenannte Ueberraschung gewährt prächtige Thalblicke. Am Schiesshaus-Wegweiser nach dem Augustusberg mit Umschauthurm (2 km). Schöne Aussicht auf das Gebirge und die Elbniederung. Entweder geht man vom Städtchen aus hinauf auf die Hauptstrasse nach Peterswalde oder im Thalzug fort, bis ein Wegweiser hinauf nach Oelsen zeigt (Erbgericht) und von hier auf den Sattelberg (10 km). Der 721 m hohe Basaltberg gewährt gegen Böhmen nur beschränkte Aussicht, dafür liegt ein grosser Theil der Sächs. Schweiz, des östl. Erzgebirgs und der Elbniederung mit Dresden und den Prinzenschlössern frei vor dem Beschauer. Nollendorf (über Schönwald) ist von hier 6 km entfernt.
Bei Berggiesshübel verlässt die Strasse das Gottleubathal, gewinnt aussichtsreiche Höhen und überschreitet bei Hellendorf die Grenze. Im Hellendorfer Gasthof nächtigte Vandamme vom 28. zum 29. August 1813 – in der Nacht vor den Kulmer Schlachttagen. Das erste böhmische Dorf ist Peterswalde, 2500 Einw. Zum Felsenkeller. Das Dorf ist fast 5 km lang. Um die Peterswalder Höhen kämpften Russen und Franzosen sehr hartnäckig. Die Russen stürmten von Jungferndorf her, wurden aber, zu ihrem Glück, darf man hier sagen, von den Franzosen zurückgeschlagen. In verhängnissvollem Siegesjubel verfolgte Vandamme die Russen bis über den Kamm des Gebirgs hinab. Der preuss. General von Kleist hatte in der Nacht zum 30. August mit seinen Truppen rechts des Nollendorfer Passes in Fürstenwalde gelagert und zog, als er den Kanonendonner in der Tiefe des Teplitzer Thalkessels vernahm, in Eilmarsch über die Höhen gegen Nollendorf und schnitt damit den Franzosen den Rückzug ab, die sich bei Kulm erfolglos mit den Russen und den hinzugekommenen Oesterreichern herumschlugen. Kleist griff sie im Rücken an und entschied damit das Schicksal des Vandamme'schen Corps. Sein Kriegsherr ehrte ihn mit dem Namen Kleist von Nollendorf.
Die Nollendorfer Höhe gehört zu den besten Aussichtspunkten des Erzgebirgs. Ueberraschend sind die Blicke auf das bizarre Mittelgebirge mit dem Millischauer. In der Tiefe bei Kulm sind sämmtliche Schlachtdenkmäler sichtbar. Im fernen Hintergrund gegen Osten taucht der Isarkamm auf mit dem Jeschken. Ferner sehen wir den Tannenberg, Kaltenberg, Rosenberg, den nahen Schneeberg, die Tyssaer Wände und viele Höhen des Elbsandsteingebirges. Aussig mit dem Schreckenstein im Hintergrund und viele Basaltkegel dieser Gegend schliessen malerisch das Bild ab. Gegen West und Südwest ist der Punkt beschränkter.