Omaruru.
Beide Briefe an Witbooi kamen nicht in dessen Hände, sondern wurden seitens des Bastardkapitäns — zugleich mit dessen eigenen — auf der Station Rehoboth abgeliefert.
Der Ausbruch des Aufstandes selbst erfolgte im Bezirk Okahandja am 12., in Omaruru am 17., in Otjimbingwe sogar erst am 23. Januar. Die vorgekommenen Ermordungen fielen daher fast durchweg in den Bezirk Okahandja-Waterberg, zu dem auch die Gegend von Grootfontein (Nord) gerechnet werden muß, da in dessen Nähe die Waterberg-Hereros wohnen. In den beiden übrigen Bezirken waren dagegen die Weißen rechtzeitig gewarnt und hatten sich größtenteils retten können.
Ereignisse in Omaruru.
Das Verdienst für die Rettung Omarurus gebührt dem Stabsarzt der Schutztruppe Dr. Kuhn in Verbindung mit dem dortigen Missionar Hegner. Ein glücklicher Zufall hatte es gefügt, daß der Erstgenannte, der auf einer Reise begriffen war, gerade in den kritischen Tagen in Omaruru eintraf. Der Hererosprache vollständig mächtig, trat er sofort mit dem noch schwankenden Kapitän Michael und seinen Großleuten in Verbindung, was diese zum einstweiligen Zuwarten bewog. Noch am 15. abends waren der Häuptling Michael und der Kirchenälteste Assa als Gäste des Stabsarztes auf der Station. Erst am 16. vormittags fiel, anscheinend unter dem Druck der zahlreichen von außerhalb zugezogenen Feldhereros sowie der Nachrichten aus Okahandja, die Entscheidung für den Aufstand. Die ihm so gewordene Frist hatte jedoch Stabsarzt Kuhn bereits benutzt, um zu retten, was noch zu retten war. Sämtliche Weiße des Bezirks konnten — mit Ausnahme von vier — noch in Sicherheit gebracht werden. Die kleineren Stationen wurden eingezogen, dafür die wichtige Station Okombahe verstärkt, vor allem die Pferde der Kompagnie von dem Sterbeposten Sorris-Sorris herangeholt und schließlich die Station Omaruru in Verteidigungszustand gesetzt. Die Bergkaffernniederlassung Okombahe, von der im Kap. II, S. 63 die Rede gewesen ist, war treu geblieben und mußte daher besetzt bleiben. So vorbereitet, konnte Stabsarzt Kuhn den am 16. eröffneten Feindseligkeiten ruhig entgegensehen und die Station bis zu ihrer Entsetzung durch die Kompagnie Franke am 2. Februar halten. Sie wies sämtliche Sturmversuche der Hereros zurück und hatte an Verlusten nur einen Toten und einen Verwundeten, beide gelegentlich eines Ausfallgefechts am 27. Januar.[132]
Kaserne der 2. Feldkompagnie in Omaruru.
(Während der Belagerung verteidigt.)
Otjimbingwe.
In Otjimbingwe residierte der schwache und darum sehr friedliebende Kapitän Zacharias (s. Kap. IX, S. 324). Ihn, der ohnehin wenig zum Aufstande geneigt war, konnte Missionar Olpp bis zum 23. Januar vom Aufstand zurückhalten. Der Kapitän sandte sogar noch ein Ergebenheitsschreiben an das Gouvernement in Windhuk. Daß dagegen Mord und Plünderung aus dem Bezirk Okahandja sofort auch in das Gebiet von Otjimbingwe übergriffen, konnte er nicht hindern. Schließlich gaben aber auch in Otjimbingwe der Druck des Zustromes von außen wie die Nachrichten aus Okahandja den Ausschlag zum Anschluß an den Aufstand. Diesen begann indessen der Häuptling mit seiner Flucht vom Platze, während seine zurückgebliebenen jungen Leute einen Weißen ermordeten, der zu lange in seinem Hause gesäumt hatte. Die hiermit eröffneten Feindseligkeiten führten aber in Otjimbingwe zu nichts weiter, als zu einem zwecklosen Hin- und Herschießen, verbunden mit Verwüstung des Platzes. Die Stationsbesatzung mit allen Weißen und den zum Teil treugebliebenen Bastards von Otjimbingwe hatte sich in der Gesamtstärke von 49 Gewehren unter Führung des Landmessers und Leutnants a. D. v. Frankenberg in das Gebäude der Firma Hälbich[133] zurückgezogen, da dieses günstiger gelegen war als die Station. Endgültig befreit von allen Belästigungen feindlicherseits wurde dann Otjimbingwe am 15. Februar durch das Landungskorps S. M. S. »Habicht«.