Und der Ausdruck dieses Buches —!
Nachdem die Materie, in der man arbeitet, nachdem die Bruchstücke und Späne, welche fallen —
Mögen doch meine Leser und Leserinnen, denen der obige längliche Streit und Widerstreit beschwerlich gefallen ist, an dieser runden Manier sich erholen und Luft schöpfen, oder mögen sie es nicht, wie es ihnen beliebt — —
VI.
Nutzanwendung.
Wenn es wahr ist, daß von der Theorie des Drucks die ganze Operation eines glücklichen Finanzsystems und einer weisen Staatsregierung abhängt: so haben die Männer wenigstens nicht die rechte Art des Druckes erwählt; denn in Wahrheit, wir verlieren durch die Art, wie wir das andere Geschlecht behandeln, mehr als es selbst. Man sagt, dies sei auch der Fall, wenn man im Unterthan die Tugenden des Fleißes, der Industrie und des Gehorsams durch siebenmal sieben Plagen erzwingen will. Zwar bei dem Magnetismus erregen Druck, Reiben und Streicheln ein übermenschliches Vermögen; allein der politische Druck hat noch nicht die Divinationsgabe erregt, den Hunger ohne zu essen, und den Durst ohne zu trinken, zu stillen. Es ist höchst jämmerlich kein anderes Gesetz zu haben, als den souverainen Willen; und wo wandelbare Launen des Despoten, seine Indigestionen, seine Galle, seine Blähungen die Stelle der Numas und Solone vertreten — wer mag da unter Anordnungen stehen? Es ist schon unerträglich, auch dem besten Menschen untergeben zu seyn, wenn er väterlich über Menschen regieren will, die längst die Kinderschuhe auszogen! — Seht! in dieser traurigen Lage befindet sich das andere Geschlecht. Jene Zeit ist nicht mehr, wo ewige Fehden alles in beständiger Unruhe und Furcht erhielten, wo das Rauben eine Heldenthat schien, und wo man durch Raufen zu Ehren kommen wollte. Was ist aber ärger, seines Schicksals gewiß seyn, oder unter dem Beistande des Rechtes leiden? einem ganzen Geschlecht unter der scheinheiligen Vorgabe des gemeinen Bestens seine Rechte und Privilegien rauben? oft thun als stände man unter dem Befehle seiner Sklavin, und noch öfter wirklich schon ihre Winke befolgen, und doch im Ganzen ihr Tyrann seyn und bleiben? Scheint nicht fast die Liebe aufzuhören, sich in eine Herrschbegierde zu verwandeln, und diesen Gräuel der Verwüstung an heiliger Stätte schon frühzeitig und in den Flitterwochen der Liebhaberei durch Eifersucht zu verrathen? Jetzt schmachtet und liebkoset der schüchterne Jüngling, um über ein Kleines als Mann kalt und trotzig zu gebieten — Im Theater wird wahre Welt zum Vorschein kommen müssen, wenn sie noch sichtbar werden soll; denn in der wirklichen Welt wird Komödie gespielt. Wo giebt es Abderiten-Fälle, welche denen gleichen, die das Verhältniß beider Geschlechter täglich an den Tag legen — Wenn ein vernünftiges Wesen eines anderen Planeten Zeit übrig hätte, eine Wanderschaft auf diesen Erdenkloß zu unternehmen, und das Verhältniß beider Geschlechter zu beherzigen; würde nicht, wenn das vernünftige Wesen nach seiner Heimkunft eine Reisebeschreibung herausgäbe, die Reise dieses Nikolaus Klimm eine der ernsthaftesten Dogmatiken (das ehrbarste, das ich kenne) scheinen? An einem Verleger wird es dem Wanderer dort hoffentlich nicht fehlen — Die allgemeine Vernunft ist über den Codex, nicht aber der Codex, der doch sein eigener Beweis nicht seyn und sein eigenes Kriterium nicht aus sich selbst nehmen kann, eine Proceß-Ordnung für die allgemeine Vernunft — Wie lange will man unserer Seits der Vernunft widerstehen! Die Menschen schieben gern Alles auf Andere; und wenn sie keinen finden, der seinen Rücken zu dieser Belastung darbietet, so muß die Natur sich diese Denunciation gefallen lassen — und so fehlt es auch unserem theuren werthen Geschlechte nicht an Behelfen, die auf die Rechnung der schönen Welt gesetzt werden — Eine Schande für uns, daß wir nicht nur ungerecht sind, sondern auch die Schuld dieser Ungerechtigkeit von uns entfernen, und sie dem anderen Geschlechte zuschieben! Das Weib, das du mir zugesellet hast, sagte schon der alte Adam, hat mich verführt; — und wir sind bis jetzt noch so treue Adamiten, daß wir nicht ermangeln, uns von der Schuld des subalternen Ranges, den wir dem anderen Geschlechte zueignen, in bester Form Rechtens loszusagen. Die armen Weiber, die, wenn sie sich mit uns auf kalte Negociation einlassen wollten, kein Gehör finden, können es noch weit weniger gegen uns auf ernsthaftere Schritte aussetzen — Sie haben keinen Leonidas, keinen Franklin, keinen Washington; sie sind keine Spartaner, keine Schweizer, keine Amerikanische Kolonisten: können sie aber nicht dies Alles haben? können sie nicht dies Alles seyn? Maria Antonia und la Fayette sind zwei gleich große Charaktere, die in der Französischen Revolutions-Geschichte glänzen werden. Eitelkeit und Furcht vor Schande sind gemeiniglich die Basis von dem ganzen Muthe der Männer; Temperament ist es bei den Weibern. Eine Reihe von Jahrhunderten hatte Europa nur Eine Gestalt. Despotismus und Sklaverei, Unwissenheit und Barbarei herrschten überall; und warum sollten die Weiber nach einer, wenn gleich langen, Unterdrückung, nicht zu jenem Range erhoben werden können, der ihnen als Menschen gebührt? Ein großer Theil unter ihnen scheint der Ketten, die ihnen das Gesetz so vortheilhaft schildert, müde, und fühlt einen unüberwindlichen Hang, sie eher zu zerbrechen, als mit ihnen, wie mit Kinderklappern, zu spielen. Man trauet den Damen zu wenig zu, wenn man sich Mühe giebt, ihnen Alles in einem Säftchen beizubringen, wenn man ihnen Alles bezuckert und in Nähebeutelformat behändiget, als ob sie so schwach und hinfällig wären, nichts Größeres als ein Duodez-Bändchen halten zu können. Die Frage: verstehest du auch, was du liesest? wird in der Regel das Duodez-Männchen von Stutzer weit eher, als ein edles Weib, treffen. Wenn gleich die Geistes-Arbeiten der Weiber, sobald sie in's Größere gehen, für's erste bas-relief sind — sie werden weiter kommen; denn nur wir halten ihren Geist am Gängelbande, um sie nicht allein gehen zu lassen. Ein großer Kinderlehrer ließ in * * die Buchstaben in Pfefferkuchen backen, damit die Kinder das A B C in den Kopf bekommen möchten; allein die liebe Jugend bekam das A B C in den Magen, und ward krank zu derselben Stunde. Diese Pfefferkuchen-Methode ist der gewöhnliche Fehler, den man bei der Erziehung des anderen Geschlechtes begeht. Man will weder seinen Verstand, noch seinen Willen zur Reife kommen lassen. Die Weiber sind en biscuit; und wir! sind wir ausgebrannt? und wären wir es — was ist denn am Porcellain? — Böttcher wollte Gold machen, und brachte Porcellain heraus. Was ist der Mensch? »Der halbe Weg vom Nichts zur Gottheit,« sagt Young; und unser frommer Haller, der den Namen Gottes nicht unnützlich führen wollte: unselig Mittelding vom Engel und vom Vieh — daß sich Gott erbarm! Friederike Baldinger versichert in ihrer Lebensbeschreibung, mit einer Vorrede ausgestattet von Sophie de la Roche: »als Frau war ich erträglich; wie klein würd' ich als Mann seyn!« Um Vergebung, sollte dies nicht auch ein jeder Mann umgekehrt von sich sagen müssen — so lange: ein Mann seyn, nicht mehr heißt: als ein Mensch seyn —? Enthält jene Bescheidenheit der Friederike Baldinger nicht zugleich einen Vorwurf für unser Geschlecht in Beziehung unserer Selbsterhöhung —? Unser Herschel, der wegen Miß Carolinen, seiner Schwester, und in puncto der Astronomie mehr als einmal in dieser Schrift von Amts- und Rechtswegen genannt zu werden verdient, nimmt an: die Centralkräfte wären nicht nur die erhaltenden, sondern auch die bildenden und erneuenden Kräfte der Weltsysteme; und nach seiner Meinung können auch mehrere Gattungen von anziehenden und zurückstoßenden Centralkräften in dem Baue des Himmels wirksam seyn. Könnten, wenn männliche und weibliche Centralkräfte in der Menschenwelt anzögen und zurückstießen, nicht Dinge bewirkt werden, von denen man bis jetzt nicht träumt —? Löset Herschel die dem bloßen Auge sichtbaren Nebelflecke vermittelst seines Teleskops in Sterne auf — wie leicht würden die Flamsteads und Mayers ihre Verzeichnisse von Sternen am Weiber- oder besser am Menschenhimmel erweitern können, wenn beide Geschlechter Ein Herz und Eine Seele wären! —
Geh' ich zu weit, wenn ich behaupte, daß die Unterdrückung der Weiber Unterdrückung überhaupt in der Welt veranlasset habe? Wahrlich, die Tapferkeit ist keine Entscheidung des Schicksals, wen sie zum Regenten bestimmt hat. Durch Großmuth, nicht durch List, muß man den Feind überwinden, und es ist und bleibt unanständig, sich des Andern Unerfahrenheit zu Nutze zu machen. Ist es besser, sich des Sieges schämen zu müssen, oder sich über das Glück zu beklagen? Die Erhaltung eines einzigen Bürgers — ist sie nicht besser, als die Niederlage von hundert Feinden? Das was nach der Meinung der meisten Menschen Recht ist, das ist, verdollmetschet: so ist wie es seyn muß; ist recht in einem erhabenen Verstande. Dies rechte Recht gründet sich in der Natur der Sache, und hat sich von den Schlacken der Willkühr und des Türkischen Despotismus gereinigt — Wollte man, nach dieser allgemeinen Meinung von den Verhältnissen des fräulichen Geschlechtes, glauben, (glauben muß man in einem besondern Sinne wollen) daß das vielfach tausendjährige Reich der Sklaverei der Weiber in diesem rechten Rechte oder in der Billigkeit sich gründe? Ich will nicht glauben. Nicht alles was wir ungestört leiden, hat die Ehre unsers inwendigen Menschen vor sich. Sehet euch um! ihr werdet finden, daß das meiste Unrecht in der Welt in dem Bestreben besteht, so zu handeln, daß es die Mehresten für Recht halten. Wer kann wohl, ohne eine Gewaltthätigkeit zu begehen, behaupten: die Weiber müßten einen gewissen Standpunkt auch bei dem höheren Grade neuerer Cultur und Sittenverbesserung behalten, und sie könnten, wegen ihrer angebornen Bestimmung als Mitglieder der Societät und als Weiber, bis an den lieben jüngsten Tag nur so weit und nicht weiter kommen? Unsere Gränzen der Ausbildung sollten nicht abgesteckt seyn? nur die ihrigen wären behügelt? O, du liebe Zeit! Die relativen Bestimmungen des Weibes in der Gesellschaft, in so weit es Weib ist — wer fragt nach diesen? diese sind so ewig, wie die Bestimmungen des Mannes als Mann. Allein soll das Weib an Verstand und Willen stehen bleiben, wenn der Mann Fortschritte macht; so muß es mit der Aufklärung in's Gedränge kommen, und sie muß Kinderspott werden — — Man könnte Männer mit der Speise, Weiber mit dem Trank vergleichen; und nur Speise und Trank in Gemeinschaft halten Leib und Seele zusammen. Das Gefühl der Bedürfnisse bildet den Menschen aus, und der Schöpfer scheint es ihm nachgelassen zu haben, Bedürfnisse zu erfinden, um sie im Schweiße des Angesichts befriedigen zu lernen, durch Sprachunterricht zu Realkenntnissen hinauf zu reifen — Selbstliebe, Neigung zum Wohlbefinden, Abneigung gegen den Schmerz, sind Triebfedern, den Menschen immer weiter und weiter zu bringen; und das andere Geschlecht fühlt sie, wo nicht in weit größerem Maße, so doch gewiß nicht minder — Haben etwa Verabredungen, die aus jenen Bedürfnissen und jenen Trieben entstehen, gemeinschaftlich Menschen seyn zu wollen, um desto leichter zum Zweck zu kommen — haben etwa Verabredungen in den Stand der Gesellschaft zu treten, den Weibern ihre Stelle angewiesen —? Nicht also! Die Punktation zum Stande der Gesellschaft machte Eva; und hat sie es sich wohl je vorstellen können, daß auch hier die Ersten die Letzten werden sollten? Setzte unser Geschlecht mit Vorwissen und Vorwillen des andern auf dasselbe das Motto der Hölle: Hier ist die Hoffnung ausgeschlossen; oder ist vielmehr durch den Stand der Gesellschaft der Stand der Natur geheiligt? sollen nicht in jenem, wie in diesem, alle Menschen gleich bleiben? Völker sind sich eben so gleich wie einzelne Menschen, und Geschlechter so wie Völker. Ist nicht durch Unterdrückung des Schwächeren das innere Verderben der Staaten entstanden, woraus denn gerades Weges Unterdrückung und Zerstörung von außen sich nach und nach ergab? Kommt es bei diesen Dingen mehr auf spielenden Witz, schalkhaften Vortrag, übermüthige Phantasie-Einfälle, oder auf Wahrheit und Recht an? und können wir in der Gesellschaft auf Gerechtigkeit Anspruch machen, wenn wir keine erweisen?
Können wir, die wir uns so unrühmlich zu Herren des weiblichen Geschlechtes aufgeworfen haben, es leugnen, daß wir diese Herrschaft von je her nur sehr schlecht verstanden? und in dieser Wissenschaft, wie es am Tage ist, bis jetzt nicht weiter gekommen sind? können wir es vor unserm Gewissen verhehlen, daß wir die Urheber und Veranlasser aller weiblichen Fehler sind, und daß das meiste Gute, welches wir an uns haben, auf die Rechnung des andern Geschlechtes gehört? Furchtsame Männer werden allerdings den Stab über mich brechen, weil ich angeblich die Eitelkeit der Weiber gereitzt, und ihre von Natur schon übermüthigen Begriffe von ihrem Werthe genährt habe; allein, lieben Leute, durch eure Feuer rufende Befürchtung, ich möchte die weibliche Bestimmung zu weit hinausgerückt haben, beweiset ihr, daß ihr, anstatt stark zu seyn, schwach seyd, und daß ihr durch diese Schwäche eure angebliche Ordnung der Dinge umkehret — und daß euch die Geisteskraft und Denkfähigkeit mangeln, die ihr aus bloßem Neide dem andern Geschlechte absprechen wollt. — In der That, ihr solltet der Natur für das Hausmittel danken, durch das andere Geschlecht angespornt und aufgemuntert zu werden, immer weiter zu kommen, aber nicht Feigenblätter suchen, eure stolze Faulheit zu decken. So bald Weiber Menschen sind und Vernunft haben, sind ihre Geistesanlagen nicht zu beschränken; am wenigsten können wir hier psychologische Richter seyn, da wir so sehr Parthei sind, und da wir weit besser gelernt haben, unsere Sache zu führen und Schildknappen der Autorität zu seyn, als das der Natur weit treuer gebliebene andere Geschlecht. Wo es nicht an innerer Kraft fehlt, da ist nur Gelegenheit nöthig, um sie zu äußern; und nur dann, wenn man sich den Vernunftgebrauch untersagt, kann man sich zur Ableugnung jener Wahrheit bringen, daß nicht Alles menschlich gleich sey, was menschlich vernünftig ist. Nur dann, wenn bodenloser Stolz an der Bestimmung des Menschen künstelt, entkommen wir der eigentlichen Ausbildung der Anlagen unserer Natur, und sie entkommt uns. Schade! —