In die Kategorie solcher voreisenbahnlicher „praktischer“ Bedenken wird es gehören, wenn Manche sich nicht vorstellen können, wie in dem neuen, erst noch zu gewinnenden, erst noch zu cultivirenden Lande der wirthschaftliche Verkehr der Ankömmlinge beschaffen sein soll. Ein Praktiker wird also beiläufig Folgendes sagen:
„Zugegeben, dass die jetzigen Zustände der Juden an vielen Orten unhaltbar sind und immer schlechter werden müssen; zugegeben, dass die Auswanderungslust entsteht; zugegeben sogar, dass die Juden nach dem neuen Lande wandern, wie und was werden sie dort verdienen? Wovon werden sie leben? Der Verkehr vieler Menschen lässt sich doch nicht künstlich von einem Tag auf den andern einrichten.“
Darauf ist meine Antwort: Von der künstlichen Einrichtung eines Verkehrs ist gar nicht die Rede, und am allerwenigsten soll das von einem Tag auf den anderen gemacht werden. Wenn man aber den Verkehr auch nicht einzurichten vermag, anregen kann man ihn. Wodurch? Durch das Organ eines Bedürfnisses. Das Bedürfniss will erkannt, das Organ will geschaffen werden, der Verkehr macht sich dann von selbst.
Ist das Bedürfniss der Juden, in bessere Zustände zu gelangen, ein wahres, tiefes; ist das zu schaffende Organ dieses Bedürfnisses, die Jewish Company, hinreichend mächtig: so muss der Verkehr im neuen Lande sich in Fülle einstellen. Das liegt freilich in der Zukunft, wie die Entwicklung des Bahnverkehrs für die Menschen der Dreissiger Jahre in der Zukunft lag. Die Eisenbahnen wurden dennoch gebaut. Man ist glücklicherweise über die Bedenken von Praktikern der Postkutsche hinweggegangen.
Die Jewish Company.
Grundzüge.
Die Jewish Company ist zum Theil nach dem Vorbilde der grossen Landnahmegesellschaften gedacht – eine jüdische Chartered Company, wenn man will. Nur steht ihr nicht die Ausübung von Hoheitsrechten zu, und sie hat nicht allein coloniale Aufgaben.
Die Jewish Company wird als eine Actiengesellschaft gegründet, mit der englischen Rechtssubjectivität, nach den Gesetzen und unter dem Schutze Englands. Der Hauptsitz ist London. Wie gross das Actiencapital zu sein habe, kann ich jetzt nicht sagen. Unsere zahlreichen Finanzkünstler werden das ausrechnen. Um aber nicht unbestimmte Ausdrücke zu gebrauchen, will ich eine Milliarde Mark annehmen. Es wird vielleicht mehr, vielleicht weniger sein müssen. Von der Form der Geldbeschaffung, die weiterhin erörtert werden soll, wird es abhängen, welcher Bruchtheil der grossen Summe beim Beginn der Thätigkeit factisch einzuzahlen ist.