Ich möchte Niemandes heilige Empfindungen durch Worte verletzen, die falsch ausgelegt werden könnten.

Nur kurz deute ich an, was in der mohammedanischen Welt der Zug der Pilger nach Mekka ist, in der katholischen Welt Lourdes und so zahllose andere Punkte, von wo Menschen durch ihren Glauben getröstet heimkehren, und der heilige Rock zu Trier. So werden auch wir dem tiefen Glaubensbedürfnisse unserer Leute Zielpunkte errichten. Unsere Geistlichen werden uns ja zuerst verstehen, und mit uns gehen.

Wir wollen drüben jeden nach seiner Façon selig werden lassen. Auch und vor allem unsere theuren Freidenker, unser unsterbliches Heer, das für die Menschheit immer neue Gebiete erobert.

Auf Niemanden soll ein anderer Zwang ausgeübt werden, als der zur Erhaltung des Staates und der Ordnung nöthige. Und dieses Nöthige wird nicht von der Willkür einer oder mehrerer Personen wechselnd bestimmt sein, sondern in ehernen Gesetzen ruhen. Will man nun gerade aus den von mir gewählten Beispielen folgern, dass die Menge nur vorübergehend nach solchen Zielpunkten des Glaubens, des Erwerbes oder des Vergnügens gezogen werden kann, so ist die Widerlegung dieses Einwurfs einfach. Ein solcher Zielpunkt vermag die Massen nur anzulocken. Alle diese Anziehungspunkte zusammen sind geeignet, sie festzuhalten und dauernd zu befriedigen. Denn diese Anziehungspunkte bilden zusammengenommen eine grosse Einheit, eine langgesuchte, nach der unser Volk nie aufgehört hat sich zu sehnen; für die es sich erhalten hat, für die es durch den Druck erhalten worden ist: die freie Heimat! Wenn die Bewegung entsteht, werden wir die Einen nachziehen, die Anderen uns nachfliessen lassen, die Dritten werden mitgerissen und die Vierten wird man uns nachdrängen.

Diese, die zögernden späten Nachzügler werden hüben und drüben am Schlechtesten daran sein.

Aber die Ersten, die gläubig, begeistert und tapfer hinübergehen, werden die besten Plätze haben.

Unser Menschenmaterial.

Ueber kein Volk sind so viele Irrthümer verbreitet, wie über die Juden. Und wir sind durch unsere geschichtlichen Leiden so gedrückt und muthlos geworden, dass wir diese Irrthümer selbst nachsprechen und nachglauben. Eine der falschen Behauptungen ist die unmässige Handelslust der Juden. Nun ist es bekannt, dass wir dort, wo wir die aufsteigende Classenbewegung mitmachen können, uns eilig vom Handel entfernen. Weitaus die meisten jüdischen Kaufleute lassen ihre Söhne studiren. Daher kommt ja die sogenannte Verjudung aller gebildeten Berufe. Aber auch in den wirthschaftlich schwächeren Schichten ist unsere Handelslust keineswegs so gross, wie angenommen wird. In den östlichen Ländern Europas gibt es grosse Massen von Juden, die keine Handeltreibenden sind und vor schweren Arbeiten nicht zurückschrecken. Die Society of Jews wird in der Lage sein, eine wissenschaftlich genaue Statistik unserer Menschenkräfte vorzubereiten. Die neuen Aufgaben und Aussichten, die unsere Leute im neuen Lande erwarten, werden die jetzigen Handarbeiter befriedigen und viele der jetzigen kleinen Händler zu Handarbeitern machen.

Ein Hausirer, der mit dem schweren Pack auf dem Rücken über Land geht, fühlt sich nicht so glücklich wie seine Verfolger glauben. Mit dem Siebenstundentage sind alle diese Leute zu Arbeitern zu machen. Es sind so brave, verkannte Leute und leiden jetzt vielleicht am schwersten. Uebrigens wird sich die Society of Jews von Anfang an mit ihrer Erziehung zu Arbeitern beschäftigen. Die Erwerbslust wird auf eine gesunde Weise anzuregen sein. Der Jude ist sparsam, findig und erfüllt vom stärksten Familiensinn. Solche Menschen eignen sich zu jeder Erwerbsthätigkeit und es wird genügen, den Kleinhandel zu einem unergiebigen zu machen, um selbst die jetzigen Hausirer davon abzubringen. Hierzu würde beispielsweise die Begünstigung grosser Kaufhäuser, in denen man alles findet, dienen. Diese Universalkaufhäuser erdrücken schon jetzt in den Grossstädten den kleinen Handel. In einer neuen Cultur würden sie sein Entstehen geradezu verhindern. Ihre Einrichtung hätte gleichzeitig den Vortheil, das Land auch für Menschen mit vorgeschrittenen Bedürfnissen sofort bewohnbar zu machen.

Kleine Gewohnheiten.