Die Rolle der Reichen in der Gemeinde, die Gefügigkeit mancher Priester, das zwitterhafte Bestreben, die alte Tradition mit einem übertriebenen Nachahmen der Landesgewohnheiten zu vereinigen, die dreiste Bettelhaftigkeit der wirtschaftlich Schwächeren — für das alles hat der Geschichtskundige Erklärungen voller Nachsicht. Aber wenn wir der Gemeinde auch nicht zürnen, so sind wir doch weit entfernt, uns von ihr beeinflussen zu lassen. Der Zionismus stellt eine andere Gemeinde des Judentums auf, eine neue, größere, eine einzige. Und ein anderes repräsentatives System.
(Der Basler Kongreß.)
Ich glaube, Ihnen sagen zu können, daß wir dem Judentum etwas gebracht haben; der Jugend eine [pg 18] Hoffnung, dem Alter einen Traum, allen Menschen etwas Schönes.
(1. Berliner Rede. Siehe [A. Friedemann, „Das Leben Theodor Herzls“.])
Ich weiß nicht, ob ich selbst es erleben werde, aber ich bin fest überzeugt, daß Leute meines Alters die Verwirklichung unseres Wunsches sehen werden. Wir werden im Lande Israels als freie Menschen wohnen. Ob ich selbst dabei sein werde oder nicht, ist für die Sache gleichgültig. Aber wenn ich dabei sein werde, so werde ich mich über nichts mehr so freuen, von nichts mehr so hingerissen sein, wie vom ersten Baseler Kongreß im Jahre 1897. Denn das war das erste Lebenszeichen des scheintoten jüdischen Volkes.
(Rede in London.)
VON DER IDEE
Niemand ist stark oder reich genug, um ein Volk von einem Wohnort nach einem andern zu versetzen. Das vermag nur eine Idee. Die Staatsidee hat wohl eine solche Gewalt. Die Juden haben die ganze Nacht ihrer Geschichte hindurch nicht aufgehört, diesen königlichen Traum zu träumen: „Uebers Jahr in Jerusalem!“ ist unser altes Wort. Nun handelt es sich darum, zu zeigen, daß aus dem Traum ein tagheller Gedanke werden kann.
[pg 19] Von irgend einem Einzelnen betrieben, wäre es eine recht verrückte Geschichte — aber wenn viele Juden gleichzeitig darauf eingehen, ist es vollkommen vernünftig, und die Durchführung bietet keine nennenswerten Schwierigkeiten. Die Idee hängt nur von der Anzahl der Anhänger ab.