(IV. Kongreßrede.)
[pg 54] Seit den Zeiten des Altertums gibt es kein Beispiel von Heloten, aber die Juden in Rußland sind tatsächlich Heloten oder Parias.
(Herzl vor der Londoner Fremdenkommission.)
Ist es zu verwundern, wenn das namenlose Elend sie auf Abwege bringt? Manche Erscheinung in diesen gequälten Massen spricht erschütternd zu uns. Man hat unter anderem beobachtet, daß galizische Jüdinnen in den letzten Jahren auffallend zahlreich der Prostitution zufallen. Sie kommen als Ware nach allen Weltgegenden in den schrecklichsten Handel. Bedenkt man die alte Reinheit des jüdischen Familienlebens, so schnürt einem eine solche Tatsache das Herz zu.
(Feuer in Galizien.)
Ich glaube der Druck des Antisemitismus ist überall vorhanden. In den wirtschaftlich obersten Schichten der Juden bewirkt er ein Unbehagen. In den mittleren Schichten ist es eine dumpfe Beklommenheit. In den unteren ist es die nackte Verzweiflung.
Im mittelalterlichen Deutsch bedeutete das Wort „Elend“ sowohl Misere als auch Exil, und seit jeher waren die Ausdrücke für die Judenheit gleichbedeutend.
(Herzl vor der Londoner Fremdenkommission.)
[pg 55]