([Der Judenstaat.])

JUDENFRAGE

Die Judenfrage besteht. Es wäre töricht sie zu leugnen. Sie ist ein verschlepptes Stück Mittelalter, mit dem die Kulturvölker auch heute beim besten Willen noch nicht fertig werden konnten.

Die Judenfrage besteht überall, wo Juden in merklicher Anzahl leben. Wo sie nicht ist, da wird sie durch hinwandernde Juden eingeschleppt. Wir ziehen natürlich dahin, wo man uns nicht verfolgt; durch unser Erscheinen entsteht dann die Verfolgung.

([Der Judenstaat.])

Die Judenfrage hat zwei Aspekte, einen geschichtlichen und einen aktuellen. Der historische läßt sich mit kühler Ruhe betrachten, ja die akademische Gelassenheit ist dabei sehr verdienstlich. Aber die aktuelle Judenfrage verträgt diese kühle Art der Behandlung nicht. Hüben und drüben leidet und kämpft man, hüben ist mehr Leiden, drüben mehr Streiten. Kommt aber einer, der dieses Schauspiel mit ungetrübter Seelenruhe betrachten, man könnte sagen: genießen will, so wird er in beiden Lagern Zorn erregen.

(Leroy-Beaulieu über den Antisemitismus.)

Sich taufen lassen ist die individuelle Lösung der Judenfrage.

([Das neue Ghetto.])

[pg 57] Das ist die Frage, die vor uns liegt. Die Armen können nicht, und die Reichen wissen nicht.