Niemand braucht mehr aus Not zum Verbrechen zu schreiten, wenn er arbeiten will. Aus Hunger dürfen keine Selbstmorde mehr begangen werden. Diese sind ja ohnehin eines der ärgsten Schandmale einer Kultur, wo vom Tische der Reichen den Hunden Leckerbissen hingeworfen werden.

([Der Judenstaat.])

Wir haben unsere Gesellschaft gleichsam ohne erbliche Belastung eingerichtet.

([Altneuland.])

Bei uns im Zukunftsstaat Altneuland aber werden die Kinder für die Geschäfte der Väter nicht belohnt und nicht bestraft. Für jede neue Generation stellen wir wieder den Anfang der Dinge her. Darum sind sämtliche Schulen von der Elementarschule bis zur Zions-Universität unentgeltlich, und die Schüler müssen bis zur Reifeprüfung in der Mittelschule die gleiche einfache Kleidung tragen. Wir glauben nämlich nicht, daß es moralisch gut ist, wenn Rang oder Reichtum der Eltern die Kinder in der Schule unterscheidet. Das verdirbt alle. Die Kinder der Vornehmen werden hochmütig und faul, die Kinder der anderen werden früh verbittert.

([Altneuland.])

Aus der tiefen Not entstehen Krankheiten und sittliche Verwahrlosung, und die verdüsterten Gemüter werden ein Nährboden für alle äußersten [pg 75] Umsturzgedanken. In der gesunden Arbeit auf einer geliebten Erde, glauben wir, ist das Heil zu finden. Die Arbeit soll unserem Volke das morgige Brot verschaffen und auch die Ehre von morgen, die Freiheit von morgen.

(III. Kongreßrede.)

DIE SOZIALE FRAGE

Die soziale Frage ist ein Ergebnis von Maschinen, die früher nicht da waren. Vor der Dampfzeit waren Eigentum und Arbeit vereinigt. Jetzt sind sie geschieden. Auf der einen Seite Eigentum ohne Arbeit, auf der andern Arbeit ohne Eigentum an den Arbeitsmitteln. Die Maschine bekommt Sklaven. Das Weib wird dem häuslichen Herde, die Mutter den Kindern entrissen. Dann macht man die Kinder zu Konkurrenten der Eltern. Dabei wird das Menschenmaterial verschwendet und verdorben.