Aber es ist doch wunderbar, wie objektiv man die Ueberschwemmungen betrachtet, wenn man über dem höchsten Wasserstande wohnt. Die Psychologie des Geborgenen wäre ein hübsches Kapital zur Menschenkunde. Weit vom Ziel ist gut vorm Schuß, sagt unser vortrefflicher Freund, das Sprichwort. Und wenn man nun nach Mitteln suchte, um in den Geborgenen höhere Grade der Teilnahme hervorzurufen, man fände wohl nur dieses: ihnen die Füße ins Wasser einzutauchen. Sie würden alles gleich viel besser verstehen.
[pg 78] Einen Menschen, dem es schlecht geht, erkennen die wenigsten . . . auf einmal sind alle kurzsichtig.
Wer in einem warmen Zimmer sitzt, muß ein Dichter sein, wenn er sich Frostbeulen vorstellen soll.
(Rede in Wien.)
DIE UTOPIE
Es wäre ja keine Schande, eine menschenfreundliche Utopie geschrieben zu haben.
Als die Eisenbahnzeit über Europa kam, gab es Praktiker, welche den Bau gewisser Linien für töricht erklärten, „weil dort nicht einmal die Postkutsche genug Passagiere habe“. Man wußte damals die Wahrheit noch nicht, die uns heute als eine kindlich einfache vorkommt: daß nicht die Reisenden die Bahn hervorrufen, sondern umgekehrt die Bahn die Reisenden hervorruft, wobei freilich das schlummernde Bedürfnis vorausgesetzt werden muß.