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^8 Frauen und Kinder scheinen zu allen Zeiten im roemischen Theater zugelassen worden zu sein (Val. Man.. 6, 3, 12; Plut. Quaest. conv. 14; Cic. har. resp. 12, 24; Vitr. 5, 3, 1; Suet. Aug. 44 usw.); aber Sklaven waren von Rechts wegen ausgeschlossen (Cic, har. resp. 12, 26; Ritschl, Parerga, Bd. 1, S. XIX, 223) und dasselbe muss wohl von den Fremden gelten, abgesehen natuerlich von den Gaesten der Gemeinde, die unter oder neben den Senatoren Platz nahmen (Varro 5, 155; Tust. 43, 5, 10; Suet. Aug. 44).
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Durch die Einfuehrung des griechischen Dramas steigerten sich wohl die Anforderungen an das Buehnenpersonal und es scheint an faehigen Leuten kein Oberfluss gewesen zu sein - ein Stueck des Naevius musste einmal in Ermangelung von Schauspielern durch Dilettanten aufgefuehrt werden. Allein. in der Stellung des Kuenstlers aenderte sich dadurch nichts; der Poet oder, wie er in dieser Zeit genannt ward, der “Schreiber”, der Schauspieler und der Komponist gehoerten nach wie vor nicht bloss zu der an sich gering geachteten Klasse der Lohnarbeiter, sondern wurden auch vor wie nach in der oeffentlichen Meinung auf die markierteste Weise zurueckgesetzt und polizeilich misshandelt (l, 475). Natuerlich hielten sich alle reputierlichen Leute von diesem Gewerbe fern - der Direktor der Truppe (dominus gregis, factionis, auch choragus), in der Regel zugleich der Hauptschauspieler, war meist ein Freigelassener, ihre Glieder in der Regel seine Sklaven; die Komponisten, die uns genannt werden, sind saemtlich Unfreie. Der Lohn war nicht bloss gering - ein Buehnendichterhonorar von 8000 Sesterzen (600 Taler) wird kurz nach dem Ende dieser Periode als ein ungewoehnlich hohes bezeichnet -, sondern ward ueberdies von den festgebenden Beamten nur gezahlt, wenn das Stueck nicht durchfiel. Mit der Bezahlung war alles abgetan: von Dichterkonkurrenz und Ehrenpreisen, wie sie in Attika vorkamen, war in Rom noch nicht die Rede - man scheint daselbst in dieser Zeit, wie bei uns, nur geklatscht oder ausgepfiffen, auch an jedem Tage nur ein einziges Stueck zur Auffuehrung gebracht zu haben ^9. Unter solchen Verhaeltnissen, wo die Kunst um Tagelohn ging und es statt der Kuenstlerehre nur eine Kuenstlerschande gab, konnte das neue roemische Nationaltheater weder originell noch ueberhaupt nur kuenstlerisch sich entwickeln; und wenn der edle Wetteifer der edelsten Athener die attische Buehne ins Leben gerufen hatte, so konnte die roemische, im ganzen genommen, nichts werden als eine Sudelkopie davon, bei der man nur sich wundert, dass sie im einzelnen noch so viel Anmut und Witz zu entfalten vermocht hat.
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^9 Aus den plautinischen Prologen (Cas. 17; Amph. 65) darf auf eine Preisverteilung nicht geschlossen werden (Ritschl, Parerga, Bd. 1, S. 229); aber auch Trin. 706 kann sehr wohl dem griechischen Original, nicht dem Uebersetzer angehoeren, und das voellige Stillschweigen der Didaskalien und Prologe sowie der gesamten Ueberlieferung ueber Preisgerichte und Preise ist entscheidend.
Dass an jedem Tage nur ein Stueck gegeben wird, folgt daraus, dass die Zuschauer am Beginn des Stuecks von Hause kommen (Poen. 10) und nach dem Ende nach Hause gehen (Epid. Pseud. Rud. Stich. Truc. a. E.). Man kam, wie dieselben Stellen zeigen, nach dem zweiten Fruehstueck ins Theater und war zur Mittagszeit wieder zu Hause; es waehrte das Schauspiel also nach unserer Rechnung etwa von Mittag bis halb drei Uhr, und so lange mag ein Plautinisches Stueck mit der Musik in den Zwischenakten auch ungefaehr spielen (vgl. Hor. epist. 2, 1. 1891. Wenn Tacitus (arm. 14 20) die Zuschauer “ganze Tage” im Theater zubringen laesst, so sind dies Zustaende einer spaeteren Zeit.
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In der Buehnenwelt ward das Trauerspiel bei weitem durch die Komoedie ueberwogen; die Stirnen der Zuschauer runzelten sich, wenn statt des gehofften Lustspiels ein Trauerspiel begann. So ist es gekommen, dass diese Zeit wohl eigene Komoediendichter, wie Plautus und Caecilius, aufweist, eigene Tragoediendichter aber nicht begegnen, und dass unter den dem Namen nach uns bekannten Dramen dieser Epoche auf ein Trauerspiel drei Lustspiele kommen. Natuerlich griffen die roemischen I.ustspieldichter oder vielmehr Uebersetzer zunaechst nach den Stuecken, welche die hellenische Schaubuehne der Zeit beherrschten; und damit fanden sie sich ausschliesslich ^10 gebannt in den Kreis der neueren attischen Komoedie und zunaechst ihrer namhaftesten Dichter Philemon von Soioi in Kilikien (394? - 492 360 - 262) und Menandros von Athen (412-462 342-292). Dieses Lustspiel ist nicht bloss fuer die roemische Literatur-, sondern selbst fuer die ganze Volksentwicklung so wichtig geworden, dass auch die Geschichte Ursache hat, dabei zu verweilen.
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