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Was endlich die Entwicklung des Bühnenwesens anlangt, so sind wir nicht imstande, im einzelnen darzulegen, was im ganzen klar erhellt, daß das allgemeine Interesse an den Bühnenspielen beständig im Steigen war und dieselben immer häufiger und immer prachtvoller wurden. Nicht bloß ward jetzt wohl kaum ein ordentliches oder außerordentliches Volksfest ohne Bühnenspiele begangen, auch in den Landstädten und Privathäusern wurden Vorstellungen gemieteter Schauspielertruppen gewöhnlich. Zwar entbehrte, während wahrscheinlich manche Munizipalstadt schon in dieser Zeit ein steinernes Theater besaß, die Hauptstadt eines solchen noch immer; den schon verdungenen Theaterbau hatte der Senat im Jahre 599 (185) auf Veranlassung des Publius Scipio Nasica wieder inhibiert. Es war das ganz im Geiste der scheinheiligen Politik dieser Zeit, daß man aus Respekt vor den Sitten der Väter die Erbauung eines stehenden Theaters verhinderte, aber nichtsdestoweniger die Theaterspiele reißend zunehmen und Jahr aus Jahr ein ungeheure Summen verschwenden ließ, um Brettergerüste für dieselben aufzuschlagen und zu dekorieren. Die Bühneneinrichtungen hoben sich zusehends. Die verbesserte Inszenierung und die Wiedereinführung der Masken um die Zeit des Terenz hängt wohl ohne Zweifel damit zusammen, daß die Einrichtung und Instandhaltung der Bühne und des Bühnenapparats im Jahre 580 (74) auf die Staatskasse übernommen ward ^13. Epochemachend in der Theatergeschichte wurden die Spiele, welche Lucius Mummius nach der Einnahme von Korinth gab (609 145). Wahrscheinlich wurde damals zuerst ein nach griechischer Art akustisch gebautes und mit Sitzplätzen versehenes Theater aufgeschlagen und überhaupt auf die Spiele mehr Sorgfalt verwandt ^14. Nun ist auch von Erteilung eines Siegespreises, also von Konkurrenz mehrerer Stücke, von lebhafter Parteinahme des Publikums für und gegen die Hauptschauspieler, von Clique und Claque mehrfach die Rede. Dekorationen und Maschinerie wurden verbessert: kunstmäßig gemalte Kulissen und hörbare Theaterdonner kamen unter der Ädilität des Gaius Claudius Pulcher 655 (99) auf ^15, zwanzig Jahre später (675 79) unter der Ädilität der Brüder Lucius und Marcus Lucullus, die Verwandlung der Dekorationen durch Umdrehung der Kulissen. Dem Ende dieser Epoche gehört der größte römische Schauspieler an, der Freigelassene Quintus Roscius († um 692 62 hoch bejahrt), durch mehrere Generationen hindurch der Schmuck und Stolz der römischen Bühne ^16, Sullas Freund und gern gesehener Tischgenosse, auf den noch später zurückzukommen sein wird.
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^13 Bisher hatte der Spielgeber die Bühne und den szenischen Apparat aus der ihm überwiesenen Pauschsumme oder auf eigene Kosten instand setzen müssen und wird wohl nicht oft hierauf viel Geld gewendet worden sein. Im Jahre 580 (174) aber gaben die Zensoren die Einrichtung der Bühne für die Spiele der Ädilen und Prätoren besonders in Verding (Liv. 41, 27); daß der Bühnenapparat jetzt nicht mehr bloß für einmal angeschafft ward, wird zu einer merklichen Verbesserung desselben geführt haben.
^14 Die Berücksichtigung der akustischen Vorrichtungen der Griechen folgt wohl aus Vitr. 5, 5, B. Über die Sitzplätze hat F. W. Ritschl, Parerga zu Plautus und Terentius. Leipzig 1845. Bd. 1, S. 227, XX) gesprochen; doch dürften (nach Plaut. Capt. prol. 11) nur diejenigen, welche nicht capite censi waren, Anspruch auf einen solchen gehabt haben. Wahrscheinlich gehen übrigens zunächst auf diese epochemachenden Theaterspiele des Mummius (Tac. arm. 14, 21) die Worte des Horaz, daß “das gefangene Griechenland den Sieger gefangen nahm”.
^15 Die Kulissen des Pulcher müssen ordentlich gemalt gewesen sein, da die Vögel versucht haben sollen, sich auf die Ziegel derselben zu setzen (Plin nat. 35, 4 23; Val. Max. 2, 4, 6). Bis dahin hatte die Donnermaschinerie darin bestanden, daß Nägel und Steine in einem kupfernen Kessel geschüttelt wurden; erst Pulcher stellte einen besseren Donner durch gerollte Steine her - das nannte man seitdem “Claudischen Donner” (Festus v. Claudiana p. 57).
^16 Unter den wenigen, aus dieser Epoche erhaltenen kleineren Gedichten findet
sich folgendes Epigramm auf diesen gefeierten Schauspieler:
Constiteram, exorientem Auroram forte salutans,
Cum subito a laeva Roscius exoritur.