Du bist verständig, fuhr er fort; Dein Herz will ich nicht beschweren, auch keinerlei Tadel oder Makel auf Alfred werfen.

Mein Gott! Papa! rief die Braut die Farbe wechselnd, sprichst Du denn im Ernst?

Er nickte ihr langsam zu und sagte dann: Aengstige Dich nicht, Kind, erschrick auch nicht, es ist nichts, gar nichts, als eine Nichtswürdigkeit von Seiten der Familie, die uns schon so viel Verdruß verursacht hat. Du weißt, Alfred ist bei Herzer gewesen, er hat dort Clara gesehen; auf ihr Bitten hat er sein Recht aufgegeben und das haben die Elenden sich gemerkt, die sanften, menschlichen Regungen Alfreds benutzt und eine Intrigue angezettelt, an welcher Alfred durchaus unschuldig ist und keinerlei Theil hat, die aber doch nicht ganz ohne Eindruck bei ihm geblieben sein mag.

Es ist Rache, Papa, eine verächtliche Rache, bei der Felix hilft.

Rache und Eigennutz, sagte der Geheimrath; aber wir müssen ihre Plane vereiteln und es giebt einen Weg dazu, der unfehlbar ist. Du mußt dabei mitwirken, Elise.

Ich? rief das Fräulein, was soll ich thun?

Nichts als eine kleine List ausüben, erwiderte der Papa. Alfred wird kommen, verschaffe Dir auf irgend eine Weise sein Taschenbuch. Du wirst schon ein Mittel finden, ihr Weiber seid erfinderisch, wenn es dergleichen gilt.

Aber wenn es Alfred merkt, sagte Elise bedenklich.

Du sollst das Taschenbuch nicht behalten, fiel Wilkau ein. Gott bewahre! Nur ein Papier sollst Du rasch herausnehmen, oder ich will es herausnehmen, ich selbst, womit Herzer ihn betrogen hat. Ich will ihm den Betrug beweisen. Ist er dahin gebracht, so wird er uns unsere liebevolle Sorgfalt vergeben und — Herzer ist in meiner Gewalt, flüsterte er mit dem Ausdruck des ingrimmigsten Hasses, es ist gar nicht mehr daran zu denken, daß Alfred sich diesen Menschen jemals wieder nähern könnte.

So hat er sich Ihnen also jetzt genähert? fragte das Fräulein erregt.