Meinen Sie, daß Herzer an Betrug denkt? fragte Alfred betroffen.
Er ist ruinirt, erwiderte Wilkau, fassen Sie zu, wenn Sie etwas von Ihrem Gelde retten wollen. — Noch sucht er vor der Welt sich zu halten, seinen Schuldnern Sand in die Augen zu streuen, heimlich aber trifft er Vorbereitungen, sich in die Zufluchtshöhle aller Spitzbuben und Schufte, nach Amerika zu begeben. — Ein großer Transport kostbarer Instrumente soll in wenigen Tagen über Hamburg nach New-York abgehen. Angeblich will er dort ein Magazin errichten. Sein Sohn Felix ist mehrere Jahre jenseit des Wassers gewesen und vor einem Monate erst zurückgekommen. Vater und Sohn haben nun den allerliebsten Plan geschmiedet, erst was sie noch besitzen und dann sich selbst in Sicherheit zu bringen.
Und woher, fragte Alfred von Gravenstein, wissen Sie das Alles so genau?
Sein eigener Verwandter und früherer Kompagnon, unser Hauswirth, Herr Zippelmann, hat mir Eröffnungen darüber gemacht. — Es ist ein reicher, allgemein geachteter und angesehener Mann. — Hören Sie ihn darüber, er kennt Herzer am besten.
Ich habe eine andere Meinung von ihm gehabt, sagte der junge Mann. Er schien sehr thätig, unterrichtet und verständig zu sein.
Ich erinnere mich mit Vergnügen des Kreises dieser gebildeten Familie, die mir, so jung ich war, immer als ein Muster schöner Häuslichkeit vorschwebte. Den jungen Herzer habe ich wohl kaum einmal flüchtig gesehen, aber eine Tochter — wenn ich nicht irre, hieß sie Clara nach meiner Mutter, die sie über die Taufe gehalten — versprach ein ausgezeichnetes musikalisches Talent zu werden. Es thut mir daher doppelt weh, von Ihnen zu hören, wie übel es mit dieser einst so glücklichen Familie steht.
Es steht so, sagte der Geheimrath mit einem bösen Lächeln, daß Sie eilen müssen, wenn Sie etwas haben wollen.
Gravenstein schüttelte den Kopf, indem er einen scharfen Blick auf den Geheimrath richtete. Sie waren einst, wie ich denke, ein sehr vertrauter Freund des Mannes.
Ich war es, erwiderte Wilkau, so lange ich es sein konnte. Herzers Haus war lange Jahre lang äußerst angenehm; er selbst ein begabter Mensch. Kein Fremder von Talent und Namen kam hierher, der nicht bei ihm eingeführt wurde. Obenein galt er als vermögend und auf dem Wege zu großem Reichthum.
Um so mehr Grund für seine Freunde aus guter Zeit, fiel Alfred mit mühsam verhaltenem Unmuth ein, ihn zu stützen, als trübe Tage kamen. Ich kann mir denken, daß Herzer’s großes Geschäft durch den Aufruhr und die Handelsstockungen furchtbar gelitten hat.