Am nächsten Morgen, als es kaum Tag geworden war, wurde Alfred von Gravenstein in seinem Hotel von dem Besuche des Assessors überrascht. — Der höfliche, junge Herr brachte ihm die Nachricht, daß Alles bereit sei, um sofort die Exekution eintreten zu lassen. — Ich habe es so veranstaltet, sagte er, daß, sobald sie gewiß sind, Ihr Kapital wird heut Mittag nicht gezahlt, Sie nur nöthig haben, den Executions-Direktor zu benachrichtigen, der mir versprochen hat, einen Augenblick bei Ihnen einzutreten, um nähere Abrede zu nehmen.

Ich bin Ihnen zu vielem Danke verpflichtet, sagte Gravenstein, ohne zu wissen, wie ich ihn abtragen soll.

Ich betheure Ihnen, es gern zu thun, erwiderte der Assessor lachend; diene Ihnen aber um so mehr mit Freude, weil der Geheimrath sich dafür interessirt, der mich gestern Abend noch dringend mahnte, nichts zu versäumen. Es wäre unnöthig gewesen, was ich übernehme, versäume ich nie. Wenn es irgend möglich ist, sollen Sie jedenfalls zu Ihrem Gelde kommen.

Es ist mir in der That weniger um die Summe zu thun, als darum, daß ich von einem Manne, der mir von allen Seiten als verkehrt und entsittlicht geschildert wird, mich nicht betrügen lassen will.

Sie haben Recht, sagte Stephani, nichts ist empörender als die heuchlerische Lüge, die unter der Maske der größten Ehrlichkeit und Biederkeit abgefeimte Gaunerkünste verbirgt.

Auch das habe ich also zu gewärtigen? fragte Alfred.

Ich weiß es nicht, fuhr der Assessor fort, aber ich bin als Kriminalist zu bekannt mit dergleichen heruntergekommenen Leuten, um nicht zu wissen, wie sie es gewöhnlich machen, um die Herzen ihrer Gläubiger oder Richter zu erweichen.

Ich möchte nicht in Ihrer Stellung sein, sagte Alfred. Sie müssen oft entsetzliche Beobachtungen machen und die Verworfenheit der menschlichen Gesellschaft im allerschlimmsten Lichte kennen lernen.

Richter und Aerzte, erwiderte Stephani, sind allerdings die wahren Beichtväter der Menschen; sie erfahren und bewahren mehr Geheimnisse als Priester, und vermögen die besten psychologischen Beobachtungen zu machen, um sogenannte Menschenkenner zu werden.

So vermögen sie auch die beste Abhülfe zu schaffen, sagte Alfred, um durch gute Gesetze und Einrichtungen unseren Irrthümern und Fehlern entgegenzuwirken.