Aus halbvergessenem Lande.

Die alte Zanetta.


Ein abgeschnittener Kopf.

Die alte Zanetta sass auf ihrem uralten Lehnstuhl und liess sich's wohl geschehen. An einem spiessartigen Stück Holz, das sie durch das Band der breiten grossblumigen Schürze gesteckt hatte, war der Flachs befestigt, den sie mit den knöchernen Fingern ihrer linken Hand langsam herabzupfte, und in der rechten Hand liess sie das länglichrunde Holz »il fuso« kreisen, um das sich das gesponnene Garn wickelte. Auf ihrem Kopfe lagen zwei grosse Krautblätter und über denselben ein viereckig gefaltetes schneeweisses Tuch. Signora Zanetta behauptet seit dreissig Jahren täglich, dass sie heute Kopfschmerzen habe, und dass sie nur frische Krautblätter durch vierundzwanzig Stunden auf den Kopf zu legen brauche, um den Kopfschmerz für immer zu vertreiben. Und darum trägt sie seit dreissig Jahren Krautblätter auf dem Kopf und darüber das viereckig gefaltete weisse Tuch, was zusammen den Eindruck eines bösartigen Turbans exotischer Herkunft hervorbringt. Ein von tausend Runzeln durchfurchtes Gesicht, dessen Mund noch eine untadelhafte Reihe blendend weisser Zähne zeigte, ein verblichenes, aber höchst sauber gehaltenes Kleid, an den zusammengeschrumpften Füssen reine weisse Strümpfe und ein paar türkische Schuhe von dickem rothen Leder, sass die Signora Zanetta auf ihrem Lehnstuhl und um sie schwirrten die Schwärme von Fliegen, wie sie die dreissig Grad Hitze eines Julitages in Spalato zu erzeugen vermögen.