„Ihr werdet’s schon selber wissen, Herr Johannes!“ entgegnete der Alte. „Mir hat der Wind nur so einen Schall davon gebracht, vor einer Stund mag’s gewesen sein; ich wollte den Burschen rufen, der im Garten an den Hecken putzte. Da ich an den Thurm kam, wo droben unser Fräulein ihre Kammer hat, sah ich dorten die alte Bas’ Ursel mit unserem Junker dicht beisammen stehen. Er hatte die Arme unterschlagen und sprach kein einzig Wörtlein; die Alte aber redete einen um so größeren Haufen und jammerte ordentlich mit ihrer feinen Stimme. Dabei wies sie bald nieder auf den Boden, bald hinauf in den Epheu, der am Turm hinaufwächst.—Verstanden, Herr Johannes, hab ich von dem allem nichts; dann aber, und nun merket wohl auf, hielt sie mit ihrer knöchern Hand, als ob sie damit drohete, dem Junker was vor Augen; und da ich näher hinsah, war’s ein Fetzen Grauwerk, just wie Ihr’s da an Euerem Mantel traget.“
„Weiter, Dieterich!“ sagte ich; denn der Alte hatte die Augen auf meinen zerrissenen Mantel, den ich auf dem Arme trug.
„Es ist nicht viel mehr übrig“, erwiderte er; „denn der Junker wandte sich jählings nach mir zu und frug mich, wo Ihr anzutreffen wäret. Ihr möget mir es glauben, wäre er in Wirklichkeit ein Wolf gewesen, die Augen hätten blutiger nicht funkeln können.“
Da frug ich: „Ist der Junker im Hause, Dieterich?“
—„Im Haus? Ich denke wohl; doch was sinnet ihr, Herr Johannes?“
„Ich sinne, Dieterich, daß ich allsogleich mit ihm zu reden habe.“
Aber Dieterich hatte bei beiden Händen mich ergriffen. „Gehet nicht, Johannes“, sagte er dringend; „erzählet mir zum wenigsten, was geschehen ist; der Alte hat Euch ja sonst wohl guten Rath gewußt!“
„Hernach, Dieterich, hernach!“ entgegnete ich. Und also mit diesen Worten riß ich meine Hände aus den seinen.
Der Alte schüttelte den Kopf. „Hernach, Johannes“, sagte er, „das weiß nur unser Herrgott!“
Ich aber schritt nun über den Hof dem Hause zu. Der Junker sei eben in seinem Zimmer, sagte eine Magd, so ich im Hausflur drum befragte.