Indeß aber mein Herz nur, und immer banger, nach einer Kundschaft von Katharinen seufzete, nahm meine furchtsam Zunge einen Umweg, und ich sprach beklommen: „Was machet denn Euer Nachbar, der von der Risch?“

„Oho“, lachte der Alte; „der hat ein Weib genommen, und eine, die ihn schon zu Richte setzen wird.“

Nur im ersten Augenblick erschrak ich, denn ich sagte mir sogleich, daß er nicht so von Katharinen reden würde; und da er dann den Namen nannte, so war’s ein ältlich, aber reiches Fräulein aus der Nachbarschaft; forschete also muthig weiter, wie’s drüben in Herrn Gerhardus’ Haus bestellet sei, und wie das Fräulein und der Junker mit einander hauseten.

Da warf der Alte mir wieder seine seltsamen Blicke zu. „Ihr meinet wohl“, sagte er, „daß alte Thürm’ und Mauern nicht auch plaudern könnten!“

„Was soll’s der Rede?“ rief ich; aber sie fiel mir centnerschwer aufs Herz.

„Nun, Herr Johannes“, und der Alte sahe mir gar zuversichtlich in die Augen, „wo das Fräulein hinkommen, das werdet doch Ihr am besten wissen! Ihr seid derzeit im Herbst ja nicht zum letzten hier gewesen; nur wundert’s mich, daß Ihr noch einmal wiederkommen; denn Junker Wulf wird, denk ich, nicht eben gute Mien zum bösen Spiel gemachet haben.“

Ich sah den alten Menschen an, als sei ich selber hintersinnig worden; dann aber kam mir plötzlich ein Gedanke. „Unglücksmann!“ schrie ich, „Ihr glaubet doch nicht etwan, das Fräulein Katharina sei mein Eheweib geworden?“

„Nun, lasset mich nur los!“ entgegnete der Alte—denn ich schüttelte ihn an beiden Schultern.—„Was geht’s mich an! Es geht die Rede so! Auf alle Fäll’; seit Neujahr ist das Fräulein im Schloß nicht mehr gesehen worden.“

Ich schwur ihm zu, derzeit sei ich in Holland krank gelegen; ich wisse nichts von alledem.

Ob er’s geglaubet, weiß ich nicht zu sagen; allein er gab mir kund, es sollte dermalen ein unbekannter Geistlicher zur Nachtzeit und in großer Heimlichkeit auf den Herrenhof gekommen sein; zwar habe Bas’ Ursel das Gesinde schon zeitig in ihre Kammern getrieben; aber der Mägde eine, so durch die Thürspalt gelauschet, wolle auch mich über den Flur nach der Treppe haben gehen sehen; dann später hätten sie deutlich einen Wagen aus dem Thorhaus fahren hören, und seien seit jener Nacht nur noch Bas’ Ursel und der Junker in dem Schloß gewesen.