Sogleich auch wurde die Kapellenthür aufgerissen; und ich erkannte den Junker Wulf, obschon sein sonsten bleiches Angesicht itzt roth und aufgedunsen schien.
„Was huckst du allfort an dem Sarge!“ rief er zu der Schwester. „Der Junker von der Risch ist da gewesen, uns seine Condolenze zu bezeigen; du hättest ihm wohl den Trunk kredenzen mögen!“
Zugleich hatte er meiner wahrgenommen und bohrete mich mit seinen kleinen Augen an. „Wulf“, sagte Katharina, indem sie mit mir zu ihm trat; „es ist Johannes, Wulf“
Der Junker fand nicht vonnöthen, mir die Hand zu reichen; er musterte nur mein violenfarben Wams und meinte: „Du trägst da einen bunten Federbalg; man wird dich ,Sieur‘ nun tituliren müssen!“
„Nennt mich, wie’s Euch gefällt!“ sagte ich, indem wir auf den Hof hinaustreten. „Obschon mir dorten, von wo ich komme, das ,Herr‘ vor meinem Namen nicht gefehlet—Ihr wißt wohl, Eueres Vaters Sohn hat großes Recht an mir.“
Er sah mich was verwundert an, sagte dann aber nur: „Nun wohl, so magst du zeigen, was du für meines Vaters Gold erlernet hast; und soll dazu der Lohn für deine Arbeit dir nicht verhalten sein.“
Ich meinete, was den Lohn anginge, den hätte ich längst vorausbekommen; da aber der Junker entgegnete, er werd es halten, wie sich’s für einen Edelmann gezieme, so fragte ich, was für Arbeit er mir aufzutragen hätte.
„Du weißt doch“, sagte er und hielt dann inne, indem er scharf auf seine Schwester blickte—„wenn eine adelige Tochter das Haus verläßt, so muß ihr Bild darin zurückbleiben.“
Ich fühlte, daß bei diesen Worten Katharina, die an meiner Seite ging, gleich einer Taumelnden nach meinem Mantel haschte; aber ich entgegnete ruhig: „Der Brauch ist mir bekannt; doch, wie meinet Ihr denn, Junker Wulf?“
„Ich meine“, sagte er hart, als ob er einen Gegenspruch erwarte, „daß du das Bildniß der Tochter dieses Hauses malen sollst!“