Auf mein "Herein!" trat die stattliche Gestalt meines Freundes
Christoph vorsichtig und etwas zögernd in das Zimmer.

"Bist du allein?" fragte er.

"Wie du siehst, Christoph."

Er schwieg einen Augenblick. "Ich muß fort von hier, Philipp", sagte er dann, "Noch heute abend; weit fort, an den Rhein zu meinem Mutterbruder; er ist schwächlich und braucht einen Gesellen, der nach dem Rechten sehen kann. Aber ich fürchte, meine Barschaft reicht nicht für die Reise, und Fechten, das ist nicht meine Sache."

Ich war schon an mein Pult gegangen und hatte eine kleine Geldsumme auf den Tisch gezählt. "Reicht das, Christoph?"

"Ich danke dir, Philipp." Und er steckte das Geld sorgsam in seine
Börse, die schon einen kleinen Schatz am Gold- und Silbermünzen
enthielt. Erst jetzt sah ich, daß er in seiner schwarzen
Sonntagskleidung vor mir stand.

"Aber du bist ja in vollem Wichs", fragte ich; "wo bist du denn gewesen?"

"Nun", sagte er und rieb sich nachdenklich mit der Hand seine breite Stirn, "ich komme eben von der Polizei!"

"Du hast schon deinen Paß geholt?"

"Jawohl; meinen Laufpaß."