Der Deichgraf nickte: „Ja, ja, Tede; aber—was meint Ihr mit Verdruß? Wir Marschleute haben, Gott tröst’ uns, was dagegen einzunehmen!“ und er nahm das vor ihm liegende Messer und klopfte wie liebkosend auf das Gerippe der armen Ente. „Das war mein Leibvogel,“ setzte er behaglich lachend hinzu; „sie fraß mir aus der Hand!“
„Ich dachte,“ sagte der alte Haien, das letzte überhörend, „der Bengel hätte Euch Unheil im Stall gemacht.“
„Unheil? Ja, Tede; freilich Unheil genug! Der dicke Mopsbraten hatte die Kälber nicht gebörmt; aber er lag vollgetrunken auf dem Heuboden, und das Viehzeug schrie die ganze Nacht vor Durst, daß ich bis Mittag nachschlafen mußte, dabei kann die Wirtschaft nicht bestehen!“
„Nein, Deichgraf; aber dafür ist keine Gefahr bei meinem Jungen.“
Hauke stand, die Hände in den Seitentaschen, am Türpfosten, hatte den Kopf im Nacken und studierte an den Fensterrähmen ihm gegenüber.
Der Deichgraf hatte die Augen zu ihm gehoben und nickte hinüber: „Nein, nein, Tede“; und er nickte nun auch dem Alten zu; „Euer Hauke wird mir die Nachtruh’ nicht verstören; der Schulmeister hat’s mir schon vordem gesagt, der sitzt lieber vor der Rechentafel, als vor einem Glas mit Branntwein.“
Hauke hörte nicht auf diesen Zuspruch, denn Elke war in die Stube getreten und nahm mit ihrer leichten Hand die Reste der Speisen von dem Tisch, ihn mit ihren dunkeln Augen flüchtig streifend. Da fielen seine Blicke auch auf sie. „Bei Gott,“ sprach er bei sich selber, „sie sieht auch so nicht dösig aus!“
Das Mädchen war hinausgegangen. „Ihr wisset, Tede,“ begann der Deichgraf wieder, „unser Herrgott hat mir einen Sohn versagt!“
„Ja, Deichgraf, aber laßt Euch das nicht kränken,“ entgegnete der andere, „denn im dritten Gliede soll der Familienverstand ja verschleißen; Euer Großvater, das wissen wir noch alle, war einer, der das Land geschützt hat!“
Der Deichgraf, nach einigem Besinnen, sah schier verdutzt aus: „Wie meint Ihr das, Tede Haien?“ sagte er und setzte sich in seinem Lehnstuhl auf; „ich bin ja doch im dritten Gliede!“