„Aber du siehst so traurig aus!“

Sie schüttelte den Kopf; dann sprachen sie wieder nicht.

Da stieg es über ihr Schweigen wie Eifersucht in ihm auf, und heimlich unter dem überhängenden Tischtuch ergriff er ihre Hand; aber sie zuckte nicht, sie schloß sich wie vertrauensvoll um seine. Hatte ein Gefühl der Verlassenheit sie befallen, da ihre Augen täglich auf der hinfälligen Gestalt des Vaters haften mußten?—Hauke dachte nicht daran, sich so zu fragen, aber ihm stand der Atem still, als er jetzt seinen Goldring aus der Tasche zog. „Läßt du ihn sitzen?“ frug er zitternd, während er den Ring auf den Goldfinger der schmalen Hand schob.

Gegenüber am Tische saß die Frau Pastorin; sie legte plötzlich ihre Gabel hin und wandte sich zu ihrem Nachbar: „Mein Gott, das Mädchen!“ rief sie; „sie wird ja totenblaß!“

Aber das Blut kehrte schon zurück in Elkes Antlitz. „Kannst du warten, Hauke?“ fragte sie leise.

Der kluge Friese besann sich doch noch ein paar Augenblicke. „Auf was?“ sagte er dann.

—„Du weißt das wohl; ich brauch dir’s nicht zu sagen.“

„Du hast recht,“ sagte er; „Ja, Elke, ich kann warten—wenn’s nur ein menschlich Absehen hat!“

„O Gott, ich fürcht’, ein nahes! Sprich nicht so, Hauke; du sprichst von meines Vaters Tod!“ Sie legte die andere Hand auf ihre Brust: „Bis dahin,“ sagte sie, „trag’ ich den Goldring hier; du sollst nicht fürchten, daß du bei meiner Lebzeit ihn zurückbekommst!“

Da lächelten sie beide, und ihre Hände preßten sich ineinander, daß bei anderer Gelegenheit das Mädchen wohl laut aufgeschrien hätte.