"Nur einmal", fuhr diese fort, "aber das ist auch schon lange her, ist noch ein Mädchen gekommen, sie sah fast aus wie du und trug fast ebensolche Gewänder. Ich schenkte ihr von meinem Wiesenhonig, und das war die letzte Gabe, die ein Mensch aus meiner Hand empfangen hat."
"Seht nur", sagte Maren, "das hat sich gut getroffen! Jenes Mädchen muß die Urahne von meinem Schatz gewesen sein, und der Trank, der mich heute so gestärkt hat, war gewiß von Eurem Wiesenhonig!"
Die Regenfrau dachte wohl noch an ihre junge Freundin von damals; denn sie fragte: "Hat sie denn noch so schöne braune Löckchen an der Stirn?"
"Wer denn, Frau Trude?"
"Nun, die Urahne, wie du sie nennst!"
"O nein, Frau Trude", erwiderte Maren, und sie fühlte sich in diesem
Augenblick ihrer mächtigen Freundin fast ein wenig überlegen—, "die
Urahne ist ja ganz steinalt geworden!"
"Alt?" fragte die schöne Frau. Sie verstand das nicht, denn sie kannte nicht das Alter.
Maren hatte große Mühe, ihr es zu erklären. "Merket nur", sagte sie endlich, "graues Haar und rote Augen und häßlich, verdrießlich sein! Seht, Frau Trude, das nennen wir alt!"
"Freilich", erwiderte diese, "ich entsinne mich nun; es waren auch solche unter den Frauen der Menschen; aber die Urahne soll zu mir kommen, ich mache sie wieder froh und schön."
Maren schüttelte den Kopf. "Das geht ja nicht, Frau Trude", sagte sie, "die Urahne ist ja längst unter der Erde."