"Es kam mir nur so", erwiderte Hinzelmeier. "Ich singe sonst gar nicht."
Dann schwiegen beide eine Weile und man hörte nur das Zischen der Pfanne und das Prasseln der Eierkuchen. "Caspar singt auch schön!" hub das Mädchen wieder an.
"Freilich wohl!" meinte Hinzelmeier.
"Ja", sagte das Mädchen, "aber so schön wie Er macht er's doch nicht. Wo hat Er denn das schöne Lied her?"
Hinzelmeier antwortete nicht darauf, sondern trat auf einen umgestürzten
Zuber, der unter dem Schiebefenster stand und sah an dem Mädchen vorbei in
die Kammer. Drinnen war voller Sonnenschein. Auf den roten Fliesen der
Diele lagen die Schatten von Nelken- und Rosenstöcken, welche seitwärts
vor einem Fenster stehen mochten. Plötzlich wurde im Hintergrund der
Kammer eine Tür aufgerissen. Der Frühlingswind brauste herein und riß dem
Mädchen ein blauseidenes Band von der Riegelhaube; dann fahr er durchs
Schiebefenster und trieb seine Beute kreiselnd in der Küche umher.
Hinzelmeier aber warf seinen Hut danach und fing es wie einen Sommervogel.
Das Fenster war ein wenig hoch. Er wollte es dem Mädchen hinauflangen, sie bückte sich zu ihm heraus; da fahren beide mit den Köpfen aneinander, daß es krachte. Das Mädchen schrie; die Zinnteller klirrten, Hinzelmeier wurde ganz konfus.
"Er hat einen gar wackeren Kopf!" sagte das Mädchen und wischte sich mit ihrer Hand die Tränen von den Wangen. Als aber Hinzelmeier sich das Haar aus der Stirn strich und ihr herzhaft ins Gesicht schaute, da schlug sie die Augen nieder und fragte: "Er hat sich doch kein Leid's getan?"
Hinzelmeier lachte. "Nein, Jungfer!" rief er—er wußte selbst nicht, wie es ihm auf einmal einfallen mußte—"nehm Sie mir's nicht übel, aber Sie hat gewiß schon einen Schatz?"
Sie setzte die Faust unters Kinn und wollte ihn trotzig ansehen, aber ihre
Augen blieben an den seinen hängen. "Er faselt wohl", sagte sie leise.
Hinzelmeier schüttelte den Kopf; es wurde ganz still zwischen den Beiden.