In der Schaukel vor der Laube saß ein achtjähriges Mädchen; sie hatte ein Bilderbuch auf dem Schoß, worin sie eifrig las; die klaren goldnen Locken hingen ihr über das heiße Gesichtchen herab, der Sonnenschein lag brennend darauf.

›Wie heißt du?‹ fragte der junge Mann.

Sie schüttelte das Haar zurück und sagte: ›Barbara.‹

›Nimm dich in acht, Barbara; deine Locken schmelzen ja in der Sonne.‹

Die Kleine fuhr mit der Hand über das heiße Haar, der junge Mann lächelte. — Und es war ein sehr sanftes Lächeln. — — ›Es hat nicht not,‹ sagte er; ›komm, wir wollen schaukeln.‹

Sie sprang heraus: ›Wart, ich muß erst mein Buch verwahren.‹ Dann brachte sie es in die Laube. Als sie wiederkam, wollte er sie hineinheben. ›Nein,‹ sagte sie, ›ich kann ganz allein.‹ Dann stellte sie sich auf das Schaukelbrettchen und rief: ›Nur zu!‹ — und nun zog dein Großvater, daß ihm der Haarbeutel bald rechts, bald links um die Schultern tanzte; die Schaukel mit dem kleinen Mädchen ging im Sonnenschein auf und nieder, die klaren Locken wehten ihr frei von den Schläfen. Und immer ging es ihr nicht hoch genug! Als aber die Schaukel rauschend in die Lindenzweige flog, fuhren die Vögel zu beiden Seiten aus den Spalieren, daß die überreifen Aprikosen auf die Erde herabrollten.

›Was war das?‹ sagte er und hielt die Schaukel an.

Sie lachte, wie er so fragen könne. ›Das war der Iritsch,‹ sagte sie, ›er ist sonst gar nicht so bange.‹

Er hob sie aus der Schaukel, und sie gingen zu den Spalieren; da lagen die dunkelgelben Früchte zwischen dem Gesträuch. ›Dein Iritsch hat dich traktiert!‹ sagte er. Sie schüttelte mit dem Kopf und legte eine schöne Aprikose in seine Hand. ›Dich!‹ sagte sie leise.

Nun kam dein Urgroßvater wieder in den Garten zurück. ›Nehm Er sich in acht,‹ sagte er lächelnd, ›Er wird sie sonst nicht wieder los.‹ Dann sprach er von Geschäftssachen, und beide gingen ins Haus.