Kannst du wohl denken, daß ich ordentlich erschrak! Denn ich dachte doch gleich: Mein Gott, nun braucht er auch die Frau Meisterin!

Ich mag wohl ganz verdutzt ausgesehen haben; denn Harre fragte mich:
"Fehlt dir etwas, Agnes?"

"Mir, Harre? Ich glaube nicht", sagte ich. "Der Wind wehte so kühl über mich hin."—Das war nun wohl gelogen; allein der liebe Gott hat es nun einmal so eingerichtet, daß wir in solchem Fall nicht sagen können, was der andere eben hören will.

"Aber mir fehlt nun etwas", sagte Harre, "das Allerbeste fehlt mir!"

Ich antwortete nichts hierauf, kein Wörtlein. Auch Harren ging eine Weile schweigend neben mir; dann fragte er auf einmal: "Was meinst du, Agnes, ob es wohl schon geschehen ist, daß eine Krämerstochter einen Tischlermeister geheiratet hat?"

Als ich aufsah und er mich mit seinen guten braunen Augen so bittend anblickte, da gab ich ihm die Hand und sagte ebenso: "Das wird wohl nun zum erstenmal geschehen."

"Agnes", rief Harre, "was werden die Leute sagen!"

"Ich weiß nicht, Harre.—Aber wenn nun die Krämerstochter arm wäre?"

"Arm, Agnes?" und er faßte mich so recht lustig bei beiden Händen, "ist denn jung und hübsch noch nicht genug?"

Es war ein glücklicher Tag damals; die Frühlingssonne schien, wir gingen Hand in Hand; und während wir schwiegen, sangen über uns die Lerchen aus tausend hellen Kehlen. So waren wir unmerklich an den Brunnen gekommen, der an der Holunderwand des Gartens dem Hause gegenüber lag. Ich blickte über die Brettereinfassung in die Tiefe hinab. "Wie drunten das Wasser glitzert!" sagte ich.