"Ach ja, ach ja!" rief ich eifrig, als wenn mir soeben der angenehmste
Zeitvertreib verheißen wäre.

Lisei war indessen auch erwacht und von ihrem Vater auf den Arm genommen worden. Ich sah, wie sie die Arme um seinen Hals schlang und ihm bald eifrig ins Ohr flüsterte, bald ihm zärtlich in die Augen sah oder wie beteuernd mit dem Köpfchen nickte. Gleich darauf ergriff auch der Puppenspieler die Hand meines Vaters. "Lieber Herr", sagte er, "die Kinder bitten füreinander. Mutter, du bist ja auch nit gar so schlimm! Lassen wir es diesmal halt dabei!"

Madame Tendler sah indes noch immer unbeweglich aus ihrem großen Strohhute. "Du magst selb schauen, wie du ohne den Kasperl fertig wirst!" sagte sie mit einem strengen Blick auf ihren Mann.

In dem Antlitz meines Vaters sah ich ein gewisses lustiges Augenzwinkern, das mir Hoffnung machte, es werde das Unwetter diesmal so an mir vorüberziehen; und als er jetzt sogar versprach, am andern Tage seine Kunst zur Herstellung des Invaliden aufzubieten, und dabei Madame Tendlers italienischer Strohhut in die holdseligste Bewegung geriet, da war ich sicher, daß wir beiderseits im trocknen waren.

Bald marschierten wir unten durch die dunkeln Gassen, Herr Tendler mit der
Laterne voran, wir Kinder Hand in Hand den Alten nach.—Dann: "Gut Nacht,
Paul! Ach, will i schlaf'n!" Und weg war das Lisei; ich hatte gar nicht
gemerkt, daß wir schon bei unseren Wohnungen angekommen waren.

Am andern Vormittage, als ich aus der Schule gekommen war, traf ich Herrn
Tendler mit seinem Töchterchen schon in unserer Werkstatt. "Nun, Herr
Kollege", sagte mein Vater, der eben das Innere der Puppe untersuchte,
"das sollte denn doch schlimm zugehen, wenn wir zwei Mechanici den
Burschen hier nicht wieder auf die Beine brächten.

"Gel, Vater", rief das Lisei, "da werd aa die Mutter nit mehr brumm'n."

Herr Tendler strich zärtlich über das schwarze Haar des Kindes; dann wendete er sich zu meinem Vater, der ihm die Art der beabsichtigten Reparatur auseinandersetzte. "Ach, lieber Herr", sagte er, "ich bin kein Mechanicus, den Titel hab ich nur so mit den Puppen übernommen; ich bin eigentlich meines Zeichens ein Holzschnitzer aus Berchtesgaden. Aber mein Schwiegervater selig—Sie haben gewiß von ihm gehört—, das war halt einer, und mein Reserl hat noch allweg ihr kleins Gaudi, daß sie die Tochter vom berühmten Puppenspieler Geißelbrecht ist. Der hat auch die Mechanik in dem Kasperl da g'macht; ich hab ihm derzeit nur 's G'sichtl ausgeschnitten."

"Ei nun, Herr Tendler", erwiderte mein Vater, "das ist ja auch schon eine Kunst. Und dann—sagt mir nur, wie war's denn möglich, daß Ihr Euch gleich zu helfen wußtet, als die Schandtat meines Jungen da so mitten in dem Stück zum Vorschein kam?"

Das Gespräch begann mir etwas unbehaglich zu werden; in Herrn Tendlers gutmütigem Angesicht aber leuchtete plötzlich die ganze Schelmerei des Puppenspielers. "Ja, lieber Herr", sagte er, "da hat man halt für solch Fäll sein G'spaßerl in der Taschen! Auch ist da noch so ein Bruderssöhnerl, ein Wurstl Nummer zwei, der grad 'ne solche Stimm hat wie dieser da!"