"Ja, ja", rief ich, "und ich glaube fast, er hat mich selbst zu Euch geschickt!"
Es war, als habe der stärkere Klang meiner Stimme sie erweckt; denn sie erhob sich und trat zögernd auf mich zu; mit vorgestrecktem Halse näherte sie ihr Gesicht mehr und mehr dem meinen, und ihre Blicke drangen auf mich ein, als ob sie mich damit erfassen wolle. "Paul!" rief sie plötzlich, und wie ein Jubelruf flog das Wort aus ihrer Brust—"Paul! Ja di schickt mir der liebe Gott!"
Wo hatte ich meine Augen gehabt! Da hatte ich es ja wieder, mein Kindsgespiel, das kleine Puppenspieler-Lisei! Freilich, eine schöne schlanke Jungfrau war es geworden, und auf dem sonst so lachenden Kindergesicht lag jetzt, nachdem der erste Freudenstrahl darüberhin geflogen, der Ausdruck eines tiefen Kummers.
"Wie kommst du so allein hieher, Lisei?" fragte ich. "Was ist geschehen?
Wo ist denn dein Vater?"
"Im Gefängnis, Paul."
"Dein Vater, der gute Mann!—Aber komm mit mir; ich stehe hier bei einer braven Frau in Arbeit; sie kennt dich, ich habe ihr oft von dir erzählt."
Und Hand in Hand, wie einst als Kinder, gingen wir nach dem Hause meiner guten Meisterin, die uns schon vom Fenster aus entgegensah. "Das Lisei ist's!" rief ich, als wir in die Stube traten, "denkt Euch, Frau Meisterin, das Lisei!"
Die gute Frau schlug die Hände über ihre Brust zusammen. "Heilige Mutter Gottes, bitt für uns! das Lisei!—also so hat's ausgeschaut!—Aber", fuhr sie fort, "wie kommst denn du mit dem alten Sünder da zusammen?"—und sie wies mit dem ausgestreckten Finger nach dem Gefangenhause drüben—"der Paulsen hat mir doch gesagt, daß du ehrlicher Leute Kind bist!"
Gleich darauf aber zog sie das Mädchen weiter in die Stube hinein und drückte sie in ihren Lehnstuhl nieder, und als jetzt Lisei ihre Frage zu beantworten anfing, hielt sie ihr schon eine dampfende Tasse Kaffee an die Lippen.
"Nun trink einmal", sagte sie, "und komm erst wieder zu dir; die Händchen sind dir ja ganz verklommen."