"Der Mechanikus und Puppenspieler Herr Joseph Tendler aus der
Residenzstadt München ist gestern hier angekommen und wird heute abend im
Schützenhofsaale seine erste Vorstellung geben. Vorgestellt wird:
Pfalzgraf Siegfried und die heilige Genoveva, Puppenspiel mit Gesang in
vier Aufzügen."
Dann räusperte er sich und schritt würdevoll in der meinem Heimwege entgegengesetzten Richtung weiter. Ich folgte ihm von Straße zu Straße, um wieder und wieder die entzückende Verkündigung zu hören; denn niemals hatte ich eine Komödie, geschweige denn ein Puppenspiel gesehen.—Als ich endlich umkehrte, sah ich ein rotes Kleidchen mir entgegenkommen; und wirklich, es war die kleine Puppenspielerin; trotz ihres verschossenen Anzugs schien sie mir von einem Märchenglanz umgeben.
Ich faßte mir ein Herz und redete sie an: "Willst du spazierengehen,
Lisei?"
Sie sah mich mißtrauisch aus ihren schwarzen Augen an. "Spazieren?" wiederholte sie gedehnt. "Ach du—du bist g'scheit!"
"Wohin willst du denn?"
—"Zum Ellenkramer will i!"
"Willst du dir ein neues Kleid kaufen?" fragte ich tölpelhaft genug.
Sie lachte laut auf. "Geh! laß mi aus!—Nein; nur so Fetz'ln!"
"Fetz'ln, Lisei?"
—"Freili! Halt nur so Resteln zu G'wandl für die Pupp'n; 's kost't immer nit viel!"