"Du hast recht!" erwiderte er und kaufte das Zeug zu einem zweiten Dutzend.

"Wenn Sie so fortfahren, Richard, so gehe ich in keinen Laden mehr."

"Nur noch zum Schuhmacher!—Aber was soll das Sie? Bist du mir böse,
Franzi?"

"Nein, du; aber du siehst mir heut so vornehm aus."

"Weiter!" sagte er.

Bald darauf standen sie in dem elegantesten Schuhwarenmagazin; und die
Ladendame, nachdem sie etwas herabsehend die unscheinbare Gestalt des
Mädchens gemustert hatte, breitete gleichgültig einen Haufen Schuhwerk vor
ihnen aus.

Ein Zug der Verachtung spielte um Franzis Lippen, als sie auf diese
Mittelware blickte; denn sie besaß eine Schönheit, welche an diesem Orte
als die höchste gelten mußte und deren sie sich vollständig bewußt war.
Aber sie setzte sich gleichwohl auf den bereitstehenden Sessel und zog ihr
Kleid bis an die Knöchel in die Höhe.

Das Frauenzimmer, das mit dem Schuhwerk vor ihr hingekniet war, stieß einen Ruf des Entzückens aus. "Ah! Welch ein Aschenbrödelfüßchen! Da muß ich Kinderschuhe bringen."

Wie eine Fürstin saß Franzi auf ihrem Sessel; Richard, der diesen Sieg vorausgesehen hatte, verschlang den triumphierenden Blick, den sie zu ihm hinaufsandte.

Die Ladendame aber erschien ganz wie verwandelt; ihre Käufer waren offenbar plötzlich in die Aristokratie der Kundschaft hinaufgerückt; sie holte eifrig eine Menge zierlicher Stiefelchen von allen Farben und Arten aus den Glasschränken hervor, die aber sämtlich nach dem Gebot der Mode mit hohen Absätzen versehen waren.