"Mein, das viele Geld?" Sie blickte mit scharfen Augen auf das verschlossene Päckchen.

"Versteh mich, Franzi", begann er wieder; "schon jetzt ist es dein; am allermeisten aber"—und er verschlang die junge Gestalt mit seinen Blicken—"in dem Augenblicke, wo du selber nicht mehr mein bist. Du wirst dann völlig frei sein; du sollst es jetzt schon sein."

Er sah sie an, als erwartete er von ihr eine Frage, eine Bitte um Erklärung; da sie aber schwieg, sagte er in einem Tone, der wie scherzend klingen sollte: "Da du jetzt eine Kapitalistin bist, so muß ich dir auch den nötigen Eigentumssinn einzupflanzen suchen." Und er nahm eine von den Zeitungen, die umherlagen, zog die Geliebte auf seinen Schoß und begann die Rubrik der Kurse mit ihr durchzugehen. Dann aber, als sie ihm aufmerksam zuzuhören schien, lachte er selbst über sein schulmeisterliches Bemühen. "Es ist spaßhaft! Du und Staatspapiere, Franzi! Du hast natürlich kein Wort von alledem verstanden!"

Aber sie lachte nicht mit ihm; sie war von seinem Schoße herabgeglitten und begann eingehende Fragen über das eben Gehörte an ihn zu richten.

Er sah sie verwundert an. "Du bist gefährlich klug, Franzi!" sagte er.

"Magst du lieber, daß ich's nicht verstehe, wenn du mich belehrst?"

"Nein, nein; wie sollte ich!"-Sie wollte gehen, aber er rief sie zurück.
"Vergiß den Schlüssel nicht!" Und indem er sie an den Schreibtisch führte,
setzte er hinzu: "Dieses Fach enthält jetzt mein und auch dein Eigentum.
Möge es nie getrennt werden!"

Sie hatte indessen eine Schnur von ihrem Halse genommen, woran sie eine kleine golde Kapsel mit den Haaren einer frühverstorbenen Schwester auf der Brust trug, und war eben im Begriff, daneben auch den Schlüssel zu befestigen; aber ihre geschäftigen Hände wurden zurückgehalten.

"Nein, nein, Franzi!" sagte er. "Was beginnst du!"—Er hatte das Mädchen zu sich herangezogen und küßte sie mit Leidenschaft.—"Leg ihn fort, weit fort! zu deinen anderen Dingen. Was denkst du denn! Soll ich den Kassenschlüssel an deinem Herzen finden?"

Sie wurde rot. "Was du auch gleich für Gedanken hast!" sagte sie und steckte den Schlüssel in die Tasche.