"Franzi!" rief er, die Augen zu ihr aufschlagend, und nach einer Weile, da der Nebel des Schlafs von seiner Stirn gewichen war, setzte er hinzu: "Hast du den Eulenschrei gehört, heut nacht? Auf der Uhr drinnen rief es just zu eins."
Sie zuckte leise in den Schultern. "Das hören wir ja jede Nacht", sagte sie leise.
"Nein, nein, Franzi; es war nicht der Waldkauz, den wir hierherum haben; es klang ganz anders, seltsam! Ich zweifelte zuerst, ob's auch nur einer seiner Vettern sei; drunten vorn Flur herauf hörte ich, wie Leo sich aufrichtete und einige Male hin und wider ging."
"Ich hab es nicht bemerkt", sagte sie leise.
"Dann hast du fest geschlafen, Franzi; denn das Tier muß in einem der nächsten Bäume hier gesessen haben."
Sie saßen noch beim Frühstück miteinander, aber Franzi brachte kaum ein
Krümchen über ihre Lippen. Dann stieg er in den Wagen. "Vergiß es nicht;
drei Tage!" rief er ihr noch zurück, und fort rollte das Gefährt über die
Heide; mit lautem Bellen sprang der Hund voraus.
Lange stand sie und blickte mit unbeweglichen Augen hinterher, bis nur noch die dunkle Linie des Steppenzuges sich am Horizonte abhob.
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Am Nachmittag trat Richard zu seinem Freunde, dem Bürgermeister, in das Zimmer.
"Nun, Waldmensch!" rief dieser, ihm drohend die kleine runde Hand entgegenschüttelnd, "was treibst du denn für Streiche?"