"Das ist eine gewaltige Geschichte, die Ihr da erzählt, Kasper-Ohm", meinte der andre, "und stimmt nicht ganz mit dem Kalender; denn der Doktor ist bei der Geburt des Mädels ja schon drei Jahr außer Landes gewesen! Aber laßt uns einmal anstoßen, und freut Euch, daß der Krauskopf Eure Ann-Margret nicht auch noch mitgenommen hat; denn er sah mir just nicht aus, als wenn er lange mit einer einzigen zufrieden wäre."
Kasper-Ohm lachte und blickte durch die Fensterscheiben. "Da kommt auch der Inspektor!" sagte er.
Der Genannte war eben in Begleitung seines Pudels unter der alten Eiche durchgegangen, in deren Wipfel jetzt das leere Nest zwischen den schon gelichteten Zweigen sichtbar war.
Der Wirt empfing ihn an der Stubentür. "Nun, Herr Inspektor", rief er munter, "alles wieder auf dem alten Stand?"
"Ausgekehrt und abgeschlossen!" erwiderte der Alte, indem er den großen Schlüssel zum Außentor des Waldwinkels auf den Tisch und sich selbst auf einen Stuhl warf. "Gestern ging das letzte Fuder nach der Stadt, um dort unterm Hammer weggeschlagen zu werden; all das schöne Ingut! Die alte Lewerenz bekommt das ganze Geld dafür."
"Und der Herr Doktor?" fragte der Wirt. "Wo ist denn der geblieben?"
"Weiß nicht", sagte der Alte, "kümmert mich auch nicht;—fort—in die weite Welt."
Der kleine Pfeffers nahm den Schlüssel von der Tischplatte und hielt ihn über den Köpfen der beiden andern: "Wer bietet auf den "Narrenkasten"? —Nummer eins: der alte Herr; Nummer zwei: der Herr Botanikus;—wer bietet zum dritten auf den "Narrenkasten"?"
"Laßt die Possen, Pfeffers!" sagte der Alte und nahm ihm den Schlüssel aus der Hand. "Mir tut's nur leid um den Löwengelben; ich sag Euch, es war ein Kapitalvieh; er ging noch über meinen Phylax."
Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Waldwinkel, von Theodor Storm.