Von wehenden Bäumen umschattet,

Im Erdenschooß,

Des Jammers los,

Worunter das Leben ermattet.«

Wunderbar, wie das Schicksal oft in anscheinend entgegengesetzten Charakteren, Poesie und Prosa weckt. —

Glücklicher war ich selbst in einer Differenz mit dem Badischen Militair. Es ist dies das einzige Mal in meinem Leben, daß ich in eine Art Conflict mit der Polizei oder einer ihr verwandten Behörde gerathen bin, das Ganze dazu eine Jugendsünde die mir eben keine Ehre aber doch auch wol keine Schande macht. »Als ich ein Bursch war handelte ich wie ein Bursch.« Zudem ist mein Buch für meine alten Universitätsfreunde, die ewigen Burschen (juvenes perpetui), nicht für die Philister, die Prokrustes der Menschheit, geschrieben. — Also heraus damit:

Mein Freund v. P. und ich wollten den jetzt hochgestellten P.. aus Cöthen, der über Manheim zu Hause reis’te, zu Pferde comitiren. Vier Chaisen, jede mit vier Menschen erfüllt, gaben ihm ohnehin das Geleite. Unbegreiflicher Weise kamen von P.. und ich auf die Idee, die wir stets in gehöriger Civilkleidung, in einem blauen Frack, einhergingen, sogar einen runden Hut trugen, uns einen Säbel mit ledernen Riemen zuzugesellen, und, wie neu ernannte Polizeidiener, deren Uniform noch unter Schneiders Händen ist, mit gezogener Klinge an dem Kutschenschlage des scheidenden Freundes zu reiten.

Wir waren kaum in Manheim angelangt, als sich in unserm Hotel, dem Schaf, ein Officier als Deputirter des Generals v. V. des dermaligen Stadtcommandanten einfand, der uns zwar mit außerordentlicher Urbanität aber doch mit großer Wichtigkeit eröffnete, wie es gegen Alles Kriegsrecht sei, daß Bewaffnete in eine Garnison ohne Erlaubniß des Commandanten und namentlich mit gezogener Waffe einritten. Der Herr General lasse uns mit dem Ersuchen bedeuten, heute Abend bei dem Zuhause ritt, ja unsern Säbel in der Scheide zu lassen, widrigenfalls die Besatzung angewiesen sei uns zu verhaften.

Die Antwort auf dieses Manifest, welches ich im Namen unseres bewaffneten Duals ertheilte, lautete durchaus friedlich und beruhigend. Ich fühlte mich auch von der Gerechtigkeit des Ansinnens überzeugt, wie durch die Wichtigkeit, welche man unsern Flambergen beilegte, geschmeichelt. Nachdem aber der Abschied von unserm P. einige Champagnerpröpfe gelößt, der edle Epercoy und der Trennungskuß von unserm scheidenden Freunde unserm Gemüth über die bürgerliche Ordnung gehoben unsere klappernden Damascener uns wieder an das Kriegsrecht erinnert hatten, bewog ich im kecken Übermuthe den mit mir zu Rosse steigenden v P., eine durchbrochene Bohnenstange, die gerade im Hof lag, zu theilen, mit welcher Hälfte wir Jeder bei mittelmäßiger Beleuchtung, als sei sie ein Sarras durch die schwach erleuchteten Straßen ritten. Aber wir waren kaum mit unsern spatbegabten Rossen bis vor die Hauptwache gelangt, als wir den Ruf eines donnernden Haltes vernahmen und eine große Menge Bayonette zu gleicher Zeit uns entgegen starrten.

Ich entsinne mich nie, selbst nicht von der Hannoverschen reitenden Artillerie ein Mannöver mit solcher Schnelligkeit ausgeführt gesehen zu haben, als diese Umzingelung. Es ist schade, daß sie den Annalen der Kriegskunst zu entgehen droht.