Das Brüderpaar schien aber mit meinem Spruch sehr unzufrieden. Da es aber nicht appelliren konnte, vertrug es sich bald wieder, nachdem es ausgemacht hatte das ominöse Wort »Philister« nie wieder gegen einander aussprechen. Das war eben recht philiströs.

Den Teufel spürt das Völkchen nie,

Und wenn er sie beim Kragen hätte.

In Weinheim begrüßte mich der Wirth zum Karlsberg mit einer Flasche Laubenheimer. Nicht meinem Comitat, bei welchem ich ihn gar nicht gesehen, sondern dem Umstande, daß ich im vorigen Jahre der erste Gast in seinem neu erbauten Hause gewesen, verdankte ich seine Freigebigkeit. Ich war nämlich der, welcher durch das Begehren einer Flasche Rheinwein den Grundstein zu seinem nachherigen bedeutenden Wohlstand gelegt, freilich auch der, welcher dem nachbarlichen rothen Ochsen den ersten Schlag versetzt hatte, dem, wenn ich nicht irre, bald dessen Garaus gefolgt ist.

Es war schon spät Abends als unser Fuhrmann wankend den Wagen bestieg, um seine Pferde über die Brücke zu lenken, welche hinter dem Dieffenbachschen Gasthause zu Auerbach liegt. — »Ach! der ist ja total betrunken«, seufzten die Musici. Sie hatten die Phrase indessen kaum vollendet, als unser Kutscher, erfüllt von einigen Schoppen neuen Weins, an ein Chausseehaus anprallend, die Deichsel am Wagen abgebrochen hatte. Wir wurden nur durch einen von ungefähr daliegenden Klotz vor dem Unglück bewahrt, von dem abschüssigen Flecke worauf unser Wagen gedreht war, rückwärts in den Fluß zu gleiten.

Mit größter Bestimmtheit erklärte nunmehr das Brüderpaar nicht länger mit dem berauschten Phaeton fahren zu wollen. Ich trat ihnen bei, weil der Kutscher in seinem Rausch ein ganz abscheuliches Grobheitsgas auf unsern Vorwurf wegen seines ungeschickten Fahrens, entwickelt hatte. Wir entschlossen uns daher den Kutscher pro rata seines Weges, zu bezahlen und dann einen Wagen auf gemeinschaftliche Kosten zu nehmen. Mich brannte es am Meisten auf den Nagel, ich mußte am andern Morgen neun Uhr in Frankfurt am Main sein um mit der Post, die damals nur drei oder vier Male in der Woche nach Cassel abging, meinen Heimweg ohne Unterbrechungen fortsetzen zu können.

Aber der Kutscher erklärte rundweg, daß wir entweder, sobald sein Wagen wieder reparirt sey, mit ihm fahren müßten, oder daß ich den versprochenen Lohn bis Frankfurt, die Herren S. aber bis Darmstadt zahlen müßten.

Dieffenbach, bei dem wir einst mit zehn Studenten so viel Deidesheimer verzehrt hatten, schien an meine mögliche Rückkehr nach Hessen und bei Rhein zu zweifeln und nahm dummstreisterweise die Parthie des verwünschten Hauderers. Er negirte sogar dessen sichtbare nicht partiale sondern totale Besoffenheit und hielt die Verwechselung einer Chaussee mit dem Chausseehause für durchaus menschlich.

»Ist denn hier keine Gerechtigkeit im Orte?« riefen die Gebrüder.